Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  organisatorische  Auswahl.  119

Reorganisation,  der  Regelung  und  ständigen  Überwachung  und  Überprüfung  aller
Betriebsbedingungen.
Für  den  Bestand  eines  organisatorischen  Gebildes  ist  wesentlich,  daß  stets
beide  Bestrebungen  gleichzeitig  wirksam  sind,  ja  man  kann  sagen,  daß  das  Vorherrschen ­
  der  einen  oder  anderen  gerade  das  Kennzeichen  von  Nichtorganisation
—■  Desorganisation  -—  ist.  Starre  Erhaltung  der  Formen  ebenso  wie  übermäßige
Anpassung  ergeben  Falsch-,  Fehl-,  Über-  und  Unterorganisation.  Das  Gegenspiel
von  Anpassung  und  Erhaltung  muß  gebändigt  sein  durch  das  oberste  Ziel,  die
Potenzierung  der  Wirkung,  die  Übersteigerung  der  Möglichkeiten,  die  das  Wesen
aller  Organisation  ausmacht.  So  widersinnig  es  klingen  mag,  kennzeichnend  für
j  ede  Organisation  als  Ganzes  ist  nur  ein  einziger  Leitgedanke:  keine  Grundsätze
zu  haben!

II.  Die  organisatorische  Auswahl 1 .
1.  Wesen  und  Arten  der  Auswahl.  Voraussetzung  für  jede  Gruppierung  von
Kräften  und  Mitteln  für  einen  bestimmten  Zweck  ist  eine  entsprechende  Auswahl,
das  heißt:  eine  Heranholung  und  Begünstigung  der  für  den  Wirtschaftsbetrieb
unter  Berücksichtigung  des  organisatorischen  Zieles  geeigneten  Mittel  und  Verfahren ­
  und  eine  Behinderung  und  Ausscheidung  der  ungeeignet  erscheinenden
Bedingungen.  Dies  macht  Klarstellungen  in  mehrfacher  Hinsicht  erforderlich:
Zunächst  müssen  eindeutige  Vorstellungen  vorhanden  sein  über  das,  was  als
geeignet  und  tauglich  anzusehen  ist  oder  einen  günstigen  oder  hemmenden  Einfluß
ausüben  wird.  Ferner  ist  es  notwendig,  daß  hinsichtlich  der  einzuschlagenden
Wege  der  Auswahl  und  der  Zeitpunkte  ihres  Ansatzes  Entscheidungen  getroffen
werden.  Endlich  ist  eine  genaue  Kenntnis  der  Eigenschaften  und  Verhaltensbedingungen ­
  der  auszuwählenden  Dinge  selbst  unentbehrlich 1  2 .
Aus  dem  Begriff  ergeben  sich  zwei  Arten:  die  positive  und  die  negative  Auswahl, ­
  die  sich  als  Begünstigung  der  betriebsförderlichen  und  Hinderung  der  betriebsschädlichen ­
  Tatbestände  kennzeichnen.  Da  die  negative  Auslese  während
der  Betriebsdurchführung  immer  Unzuträglichkeiten  und  Schwierigkeiten  und  oft
auch  hohe  Kosten  bereitet,  im  übrigen  meist  auch  zu  spät  einsetzt  —  eine  Tatsache,
die  mit  der  zunehmenden  Betriebsgröße  gewachsen  ist  —,  hat  das  Bestreben  Eingang ­
  gefunden,  diese  Auswahl  dem  Betriebe  vorzuschalten,  um  so  von  vornherein
nur  die  mit  den  eigenen  Zielen  übereinstimmenden  Bedingungen  einzulassen.  Das
ist  auf  mehreren  Wegen  möglich,  die  sich  zunächst  als  natürliche  und  künstliche
oder  auch  —  vom  Standpunkt  des  Wirtschaftsbetriebes  aus  —  als  passive  und
aktive  scheiden  lassen;  immer  benutzt  der  Betrieb  gleichzeitig  beide,  obwohl  dies
nicht  ohne  weiteres  klar  erkennbar  sein  wird.
Die  natürliche  Auswahl  ergibt  sich  schon  durch  die  Wahl  eines  bestimmten  Standortes  oder
Erzeugungs-  und  Dienstleistungsprogramms,  die  alle  die  Personen,  die  entweder  Nutzen  ziehen
oder  mitwirken  wollen,  anziehen  soll  oder  die  sonstigen  Vorbedingungen  festlegt,  und  die  schon
dadurch  auch  eine  gewisse  positive  Auswahl  bewirkt.  Die  Unterstützung  dieser  Neigung
ergibt  einerseits  die  bewußte,  mehr  oder  minder  scharfe  Abgrenzung  und  Hervorhebung  des
Programms  (Spezialbetrieb,  Markenartikel!),  um  für  sich  selbst  und  die  Mitwirkenden  eine
eindeutige  Entscheidung  und  Festlegung  zu  erleichtern;  andererseits  läßt  sie  aber  auch  den
Wunsch  nach  einer  allgemeinen  und  daher  umfassenden  Leistungsdarbietung  zu,  die  mehr
Möglichkeiten  des  Ausgleichs  sowohl  hinsichtlich  der  Mitarbeiter  als  auch  der  benötigten  Hilfsmittel ­
  und  der  Abnehmer  bietet.  Auch  die  natürliche  negative  Auslese  ist  innerhalb  des
Wirtschaftsbetriebes  wirksam;  sie  wird  am  deutlichsten  sichtbar  in  dem  Arbeiter-  und  Angestelltenwechsel, ­
  der  bei  unzuträglichen  Bedingungen  oder  günstigen  anderweitigen  Aussichten
oft  einen  so  störenden  Umfang  annimmt,  daß  organisatorische  Gegenmaßnahmen  getroffen
1  Die  Auswahl  wird  nicht  immer  als  eine  organisatorische  Frage  angesehen;  sie  fehlt  in
vielen  Darstellungen.  Im  hier  vorgeführten  System  ist  sie  ein  wesentlicher  Bestandteil.
2  Siehe  auch  Bogdanow:  Bd.  I,  S.  136/37.
            
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