fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

256 Dr.-Ing. Dr. rer. pol. Waffenschmidt: 
Die Maschinenfrage gehört wohl mit zu den wichtigsten, 
und wir wollen deshalb gerade Beziehungen der Maschine zur Wirt- 
schaft noch näher analysieren. Es ist scharf zu unterscheiden zwischen 
der Arbeitsmaschine und der Kraftmaschine. Die 
erstere ist der unmittelbare Ersatz der Arbeit, die die Hand getan hat, 
sie braucht aber zu ihrer Bewegung eine Antriebskraft, die ihr in der 
Regel durch die Kraftmaschine zugeleitet wird, Ursprünglich war die 
Konstruktion der Arbeitsmaschine ein Abbild der menschlichen Tätis- 
keit, sehr bald aber erkannte der Mensch intuitiv und ohne Natur- 
wissenschaft, daß die Maschine anderen Lebensprinzipien folgt 
als der Mensch; für dessen körperliches Pendel- und Gelenksystem ist 
die hin- und hergehende Bewegung die natürliche, im Wesen der 
Maschine dagegen liegt die stetige Drehbewegung, das Rotationsprinzip. 
Mit der Erfindung des Rades hatte man dieses Grundelement der 
Maschine schon geschaffen, und überall wird man bei den modernen 
Arbeitsmaschinen die Fortbildung des Rotationsprinzips feststellen 
können, so z. B. von der Handpresse über die Tiegelpresse zur Schnell- 
presse und Rotationsmaschine. Der Hin- und Hergang ist technisch 
deshalb so unvollkommen, weil die Geschwindigkeit bei jeder Umkehr 
Null wird und daß zur Umkehr der Bewegungsrichtung unnütz Kraft 
aufgewandt werden muß, Bei der Drehbewegung dagegen summiert 
sich die durch eine stetige Kraft bewirkte Geschwindigkeit, und wir 
sehen wieder an diesem Beispiel, wie auch ohne naturwissenschaftliche 
Kenntnisse im einzelnen technische Fortschritte zu erzielen sind, wie 
aber die Naturwissenschaft in der Lage ist, das Geschaffene ein- 
zuordnen, zu klären, zu befestigen. 
Der zweite Weg, auf dem die Technik dem Menschen größere 
Freiheit von den Lasten der Natur verschafft, zeigt sich in der Dienst- 
barmachung der Naturkräfte für alle die Arbeiten, die vordem 
einem organischen Wesen oblagen, sei es der Sklave oder das Tier 
gewesen, Nutzbarmachung der Wasserkräfte, des Windes und der 
Wärme sind die Gebiete des technischen Fortschreitens. Die Mittel 
sind zu verschiedenartig, um sie im einzelnen aufzuzählen, Die Um- 
kehr der Prinzipien spielt hier eine wesentliche Rolle: statt z, B. durch 
die Drehung des Schöpfrades Wasser nach oben zu befördern, wird 
umgekehrt das Rad durch das oben zufließende, in die Radzellen ge- 
langende Wasser in Umdrehung versetzt, 
Ganz anderen Charakter erhält aber die Technik gerade auch hier 
durch die naturwissenschaftliche Erkenntnis, und gerade 
bei der Krafterzeugung wird es deutlich, wie innig technische und wirt- 
schaftliche Gesichtspunkte verbunden. sind, Die äußere wirt- 
schaftliche Bedeutung des Ersatzes von Menschenkraft durch die
	        
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