Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  Ordnung  als  organisatorisches  Verfahren.

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größeren  Fehlermöglichkeiten  verbunden.  Ist  sie  dagegen  zu  häufig  angesetzt,  so
wird  die  Übersicht  im  Betriebe  gestört,  Unruhe  in  den  Ablauf  der  Arbeit  gebracht
und  die  Material-  und  Personalkontrolle  erschwert.  Auch  der  Verkehr  der  einzelnen
Büros  oder  Betriebe  untereinander  darf  nicht  zu  sehr  durch  Anordnungen  behindert ­
  werden,  da  sonst  die  Vorteile  einer  besseren  Kontrolle  der  arbeitenden
Menschen  oder  ihrer  Leistungen  leicht  durch  die  Nachteile  eines  umständlichen
Melde-  und  Erkundigungswesens  aufgezehrt  werden.  Es  ist  zwar  durchaus  unzweckmäßig, ­
  wenn  jeder  einzelne  Konstrukteur  über  jeden  Zweifel  bei  der  Ausführung ­
  sich  persönlich  mit  der  Werkstatt  in  Verbindung  setzt,  aber  es  ist  ebenso
unzweckmäßig,  wenn  diese  Fälle  in  der  Weise  geordnet  sind,  daß  alle  Zweifel  und
kleinen  Unstimmigkeiten  über  den  Bürochef  geleitet  werden  müssen.  Nicht  nur
werden  dadurch  Fehler  und  Reibungen  einerseits  aufgebauscht  und  andererseits
häufig  verschleppt  und  unterdrückt,  sondern  auch  der  Abteilungsleiter  wird  mit
Aufgaben  überlastet,  die  seinem  eigentlichen  Gebiet  fernliegen.  Ebenso  bringt  die
Bereitstellung  eines  Tischtelephons  für  jeden  Sachbearbeiter  zwar  erhebliche  Aufwendungen, ­
  kann  aber  andererseits  durch  Vermeidung  von  Laufereien  und  persönlichen ­
  Unterhaltungen  viele  Verlustzeiten  und  Unruhe  im  Betrieb  vermeiden.
4.  Die  Hilfsmittel  der  Ordnung.  Es  ist  nun  noch  notwendig,  die  Hilfsmittel  der  Ordnung
einer  näheren  Betrachtung  zu  unterziehen.  Dem  Wesen  der  Ordnung  entspricht  es  zwar,  daß
sie  zunächst  und  vorwiegend  eine  gedankliche  Arbeit  darstellt;  aber  diese  gedankliche  Vorleistung ­
  muß  in  sinnfälliger  Weise  niedergelegt  werden  und  erhalten  bleiben.  Die  zu  diesem
Zweck  entwickelten  Ordnungsmittel  zielen  einmal  auf  eine  Kennzeichnung  des  Ähnlichkeitsmerkmals, ­
  welches  der  gedanklichen  Ordnung  zugrunde  gelegt  wird;  dies  kann  am  besten  geschehen ­
  durch  das  äußere  Anbringen  von  Zeichen  oder  eine  gleichartige  eindeutige  Bezeichnung ­
  überhaupt  (Ordnungskennzeichen,  Symbolisierung).  Ferner  ermöglichen  sie  die  äußerliche ­
  Zusammenfassung  und  Zueinanderstellung  der  geordneten  Erscheinungen  (Ordnungseinrichtung). ­

a)  Die  Ordnung  skennzeiohen.  Das  Stichwort 1  oder  Kennwort  ist  die  charakteristische ­
  Bezeichnung  verschiedener  zusammengehöriger  Gegenstände,  Handlungen  oder  Vereinbarungen ­
  einer  Gruppe,  wie  die  „Buchhaltung“,  „Kasse“  usw.  oder  „Auftrag  Moselbrücke
Koblenz“,  „Montage  Zeche  Graf  Beust“  usw.  oder  „Modell  Viktoria“,  „Ausführung  Extra“
oder  „Typ  Nürburg“,  auch  „Kundenauftrag“,  „Lagerauftrag“  usw.  Auch  die  Kennworte  für
Bestellungen  oder  Vorfälle  bestimmter  Art,  zum  Beispiel  das  unter  Betreff  angegebene  Stichwort ­
  des  Vorgangs  im  Schriftverkehr,  gehören  hierher.  Bekannt  sind  die  Codes  (im  Telegrammverkehr) ­
  für  Zimmerbestellungen  im  Gasthausgewerbe  und  die  privaten  Stichworte  von
Industrie-  und  Handelsfirmen  bei  Nach-  und  Ersatzbestellungen.  Hier  fällt  neben  einer  genauen ­
  Kennzeichnung  die  Wirkung  der  Kostenersparnis  durch  Ordnung  besonders  stark  auf;
daneben  ist  mit  dem  Code  hin  und  wieder  auch  der  Zweck  der  Geheimhaltung  oder  der  Undurchsichtigkeit ­
  verbunden 1  2 .
In  ähnlicher  Weise  werden  Buchstaben  verwendet,  als  einfache  Buchstabenkürzungen
(Betrieb:  B;  Kasse:  K)  oder  als  Buchstabenzusammenstellungen  (Arbeitsvorbereitung:  AV;
Technisches  Büro:  TB)  oder  in  alphabetischer  Anordnung.  Diese  letztere  ist  nicht  nur  die
älteste,  sondern  auch  die  am  häufigsten  und  sinnfälligsten  angewendete  Ordnungsmöglichkeit;
Zusammenstellungen  von  Sachen  und  Personen  sind  auf  diese  Weise  zum  Beispiel  nach  ihrem
Anfangsbuchstaben  einzuordnen.  Zur  Vereinheitlichung  sind  vom  AWV  die  „Einheits-ABC-Begeln“
  3  herausgegeben  worden,  die  zwar  als  erheblicher  Fortschritt  anzusehen  sind,  trotzdem
aber  noch  viele  Zweifel  offen  lassen  4 .  Ein  besonderer  Vorteil  der  Buchstabenkennzeiohnung
liegt  in  der  Möglichkeit  der  Gedankenstütze,  indem  entweder  der  jeweilige  Anfangsbuchstabe
gesetzt  oder  die  Form  des  Buchstabens  als  Symbol  benutzt  wird 5 .  Die  gemeinsame  Verwendung ­
  großer  und  kleiner  Buchstaben  läßt  weitgehende  Erweiterungen  zu.  Die  Anwendung  der
Kennworte  erfolgt  meist  bei  wenigen  Bereichen,  die  ihrerseits  eine  Vielzahl  von  ünterbegriffen
oder  zugehörigen  Objekten  umfassen.
Umfangreicher  anwendbar,  aber  besonders  im  Hinblick  auf  die  Mnemotechnik  weniger
günstig  ist  die  Zahl.  Sie  ist  besonders  dann  zweckmäßig,  wenn  sehr  viele  Einheiten  unter-1
 le  Coutre-Thoms:  Organisationslexikon,  S.  328.
2  Die  Bedeutung  der  Schlüsselung  geht  natürlich  über  den  Wirtschaftsbetrieb  hinaus;  er
findet  starke  öffentliche  Anwendung.  Neben  den  Privat-Codes  gibt  es  zahlreiche  allgemeine
Codes:  ABC-Code,  VI.  Edition,  Carlowitz-Code,  Ingenieur-Code,  Mosse-Code  usw.
3  AWV-Einheits-ABC-Regeln.  4  Siehe  Sanner:  S.  21—26.
6  Michel:  Arbeitsvorbereitung  ...
            
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