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Die Grundlagen.
Auf der anderen Seite verkauft der Handelsbetrieb die angeschafften Waren
an die Verbraucher oder an die Weiterverarbeiter, wenn es sich um Roh- und
Halbfertigerzeugnisse oder um Werkzeuge und Maschinen handelt. Hier tritt ihm
die Aufgabe entgegen, den Bedarf ausfindig zu machen, eine kommende Nach
frage zu erkennen oder ein vorhandenes Bedürfnis zu wecken, die Nachfrage nach
irgend einem Gut lebendig zu machen. In dieser Arbeit leistet der Kaufmann
Pionierdienste für den Hersteller, indem er die Nachfrage auf dessen Erzeugnisse
lenkt. Insbesondere dem Kleinhändler fällt diese Aufgabe zu. Dieser sucht seine
Abnehmer im schriftlichen und mündlichen Verkehr von der Güte oder Zweck
mäßigkeit seiner Waren zu überzeugen, sucht also mit geistigen Waffen den
Kunden zum Kaufen zu bewegen. Die Beeinflussung des Käufers spielt auch im
Großhandel eine Rolle beim Verhandeln — daher Handel —, wobei es darauf an
kommt, dem anderen den Abschluß eines Geschäftes so mundgerecht zu machen,
daß dieser glaubt, durch Unterlassen des Geschäftes einen Schaden zu erleiden.
Hierzu kommt noch die von der Wirtschaft her gebotene Notwendigkeit, bei dem
Preisvergleich an die Gestaltung der eigenen Kosten zu denken, die kalkulato
rischen Überlegungen mit dem Handeln, der Beeinflussung des Käufers, zu
verbinden.
Im Gegensatz zur landwirtschaftlichen und gewerblichen Arbeit ist also die kaufmännische
Arbeit geistiger Art; sie haftet nicht an der Ware, sondern liegt in der Meisterung marktwirt
schaftlicher Vorgänge und in der Beeinflussung der Willenshandlungen der Partner, mit denen
die Handelsgeschäfte abgeschlossen werden sollen. Sie tritt daher auch nicht so wie die land
wirtschaftliche Arbeit: Wachsen des Getreides, Füllen der Scheune, Ernährung des Menschen,
oder wie die technische Arbeit: eine Uhr, ein Haus, eine Maschine, die Herstellung des Roh
eisens, für jedermann sichtbar in die Erscheinung. Die Folge ist, daß die kaufmännische
Arbeit, weil sie unsichtbar ist, leicht unterschätzt oder überhaupt nicht beachtet wird. Der
Käufer hält es für selbstverständlich, daß die Waren in dieser oder jener Auswahl vorliegen;
er denkt nicht daran, wieviel kaufmännische Arbeit angewendet worden ist, damit für ihn
zum Frühstück der Kaffee oder der Tee auf dem Tisch steht. Im Gegenteil: weite Kreise sehen
in der kaufmännischen Tätigkeit zumeist nichts anderes, als daß der Kaufmann billig einkauft
und teuer verkauft, eben nur einen Gewinn machen will. Hieraus entsteht die weitere Vor
stellung, daß der Handel zu nichts anderem tauglich sei, als die Ware für den Verbraucher zu
verteuern.
Die Besonderheit der Bankarbeit besteht in der Kreditgewährung. Hierzu ge
hört die Abschätzung der Kreditfähigkeit des Schuldners und der von diesem zu
hinterlegenden Sicherheiten, die Beurteilung der Persönlichkeit und der Geschäfts
tüchtigkeit des Kreditsuchenden, gehört schließlich die richtige Einschätzung des
Wirtschaftsbetriebes und dessen voraussichtlichen Weiterentwicklung innerhalb
des Geschäftszweiges wie in der Gesamtwirtschaft. Insbesondere die großen
Banken stehen in engen Beziehungen zu den Industriebetrieben; sie gewähren
diesen Kredite für längere Fristen, übernehmen Aktien und Obligationen, müssen
also mit der industriellen Tätigkeit vertraut sein, deren Entwicklungsmöglichkeiten
beurteilen und ihrer Kreditgewährung zugrunde legen.
Die Bankarbeit richtet ihr Augenmerk ferner auf die Bewegungen des Geld-
und Kapitalmarktes, auf die Veränderung der hier geltenden Zinssätze, auf die
internationalen Geld- und Käpitalströmungen, die wieder von den wirtschaft
lichen, finanziellen und politischen Verhältnissen der einzelnen Länder abhängig
sind. Im Börsenhandel kommt diese Beurteilung der Dinge in dem Handeln zum
Ausdruck, sei es, daß die Banken selbst oder auf ihren Rat hin die Kundschaft
Wertpapiere kaufen und verkaufen. Die Ausnutzung der Unterschiede in den
Preisen — Effektenkurse, Wechselkurse, Zinssätze — wird sowohl bei der vor
übergehenden Anlage von flüssigen Mitteln beachtet als auch als selbständiges
Geschäft (Arbitrage) durchgeführt.
Wenn die Handelsarbeit auch keine Arbeit am Stoff ist, so steht sie doch zumeist und in
großem Umfang noch in engster Beziehung zu den betreffenden Waren. Die Bankarheit hat