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sie unbelästigt in der Waschkaue gelassen haben, bis die 1. Beleg
schaft der Morgenschicht die Zeche verlassen hatte.
Um die Gefangenen zur Arbeit zu bewegen, soll man - da
sie sich weiter weigerten - zu Mißhandlungen übergegangen sein
und zwar derart, daß die Frauen, welche in der Lampenbude
arbeiten, so von Mitgefühl bewegt wurden, daß sie bitterlich
weinten. Die Wachtposten hätten sich nicht an den Mißhand
lungen beteiligt, doch sei der Feldwebel mit der blanken Waffe
vorgegangen. Besonders hervorgetan hätten sich Fahrsteiger
Lange und Steiger Burscheid, und seien die Gefangenen bis auf
den Korb geprügelt worden. Auf der Sohle angekommen, habe
man sie durch den Umtrieb geführt, dort seien die Beamten mit
Spitzen und Schalhölzern bewaffnet gestanden und hätten wieder
auf die Gefangenen geschlagen, sogar Lampen seien zum Schlagen
gebraucht worden. Gefangene, die zu Fall gekommen, seien erst
recht mißhandelt worden. Der Russe Nr. 402 sei mit Löchern
im Kops noch am 27. Juni in der Baracke gelegen. Die Ge
fangenen, die noch nicht umgezogen waren, seien in die Reviere
gejagt worden, wo sie mit Schweiß bedeckt, einige blutend, an
gekommen seien, andere hätten bei dem Jagen ihre Schuhe ver
loren und könne man daran ermessen, in welcher Angst die Leute
ir die Reviere liefen. Mehrere Arbeiter, die dafür bestimmt
waren, die Gefangenen abzuholen und in die Reviere zu führen,
seien an ihre Arbeit beordert worden, ohne Gefangene mitzu
nehmen. Es wird behauptet, dies sei geschehen, um bei der
Prügelei ohne Zeugen zu sein. Durch die Mißhandlungen ver
letzt sollen bis wtzt die Gefangenen Nr. 94, 97, 106 und 109 er-
mittelt sein.
Entsprechen diese Angaben den Tatsachen, so sind wir davon
überzeugt, daß das hochwohllöbliche Generalkommando, soweit
Militärpersonen (Feldwebel) in Betracht kommen, dafür Sorge
tragen wird, daß eine solche Behandlung von Kriegsgefangenen
ihre Sühne findet.
Eine Abschrift dieses Schreibens haben wir dem König!.
Oberbergamt zu Dortmund übersandt und auch dieses ersucht,
Untersuchung einzuleiten und die Schuldigen zur Rechenschaft
zu ziehen, wurde doch vom Herrn Handelsminister betont, daß
die Beamtenqualifikation jenen entzogen werden solle, die sich
zu Mißhandlungen hinreißen lassen.
Wir glauben keine Fehlbitte zu tun, wenn wir um strenge
Untersuchung bitten und um gefällige Mitteilung, welche Maß
regeln getroffen wurden, um - wenn sich die Angaben unserer
Gewährsmänner als richtig erweisen — Mißhandlungen vor
zubeugen. Hochachtungsvoll usw.
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