Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Der  Standort.

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ort  vieler  Betriebe  irgendwelche  Gesetzmäßigkeiten  festzustellen.  Ein  Beispiel:  In  der
Bielefelder  Gegend  führte  der  Flachsbau  zur  Leinenindustrie;  aus  dieser  entwickelte  sich  die
Wäsoheherstellung,  die  zum  Nähen  viel  Handarbeit  erforderte.  Dies  gab  Veranlassung,  daß  in
Bielefeld  zuerst  der  Nähmasohinenbau  aufgenommen  wurde.  Die  Feinmechanik  der  Nähmaschine ­
  führte  zum  Fahrradbau  und  dieser  zum  Kraftwagenbau.  Somit  hat  der  Bielefelder
Kraftwagenbau  seinen  Ursprung  in  der  Flachsgewinnung  (Eckardt  —  v.  d.  Aa).
Wie  immer  auch  der  heutige  Standort  eines  bestimmten  Betriebes  erklärt  werden ­
  mag,  er  ist  fortwährenden  Beeinflussungen  aus  der  Veränderlichkeit  bestehender ­
  Bestimmungsgründe  und  dem  Hinzutritt  neuer  Umstände  ausgesetzt.  Insbesondere ­
  muß  heute  mehr  denn  je  jeder  Betrieb  nicht  nur  bei  seiner  Errichtung,
sondern  auch  bei  jeder  Umstellung  seiner  Leistungen  die  oben  geschilderten  Bestimmungsgrunde ­
  kennen  und  beachten,  wenn  er  den  Nachteilen  entgehen  will,
die  ein  ungünstiger  Standort  für  den  Betriebserfolg  hat.
Sombart  nennt  —  im  Anschluß  an  Weber  —  die  Standorte,  die  aus  kapitalistischen
Zweckmäßigkeitsgründen  gewählt  werden,  rational  im  Gegensatz  zu  der  Wahl  der  Standorte
aus  nicht-kapitalistischen  Gründen,  die  irrational  genannt  werden.  Daß  im  Rahmen  der
Rentabilitätsüberlegungen  noch  andere  Erwägungen  Platz  greifen  können,  zeigt  die  bewußte
Hinauslegung  von  Industriebetrieben  auf  das  Land  oder  die  Errichtung  von  Betrieben  in
bestimmten  Orten  oder  Landschaften.  Ebenso  wenn  der  Staat  aus  bevölkerungspolitischen
oder  politischen  Gründen  den  Standort  einzelner  Betriebe  festlegt  (Neubau  der  Giescheschen
Zinkhütte  auf  den  Zinkerzfeldem  Oberschlesiens,  obwohl  die  Erzanfuhr  nach  dem  Absatzort
billiger  ist  als  der  Transport  der  Fertigtabrikate  Zink  und  Schwefelsäure  (Frankfurter  Zeitung
27.  Juli  1933).  Daß  auch  Private  außerwirtschaftlichen  Erwägungen  Raum  geben  können,  zeigt
das  viel  zitierte  Beispiel  von  Harkort,  der  die  von  ihm  im  Jahre  1818  gegründete  Maschinenfabrik ­
  in  eine  alte  Burg  (bei  Wetter  an  der  Ruhr)  legte,  „um  in  einer  feudalen  Burg  einen
bleibenden  Sitz  aufzuschlagen,  wo  Eisen  und  Stahl  in  die  mächtigsten  Waffen  des  Gewerbefleißes ­
  umgeschaffen  werden“  (Matschoss).
Unter  Raumordnung  werden  heute  die  Bestrebungen  zusammengefaßt,  die  darauf
hinauslaufen,  den  Landschaftsraum  und  die  natürlichen  Gegebenheiten  mit  der  betrieblichen
Arbeit  der  Menschen  und  den  staatspolitischen  Notwendigkeiten  in  bestmögliche  Übereinstimmung ­
  zu  bringen.  Dazu  gehört  auch  der  Standort  der  Industriebetriebe,  der  besonders  auf
Aussiedlung  und  Besiedlung  Rücksicht  nehmen  soll.  Wenn  es  im  allgemeinen  auch  unmöglich
ist,  bestehenden  Wirtschaftsbetrieben  einen  anderen  Standort  zu  geben,  so  kann  die  Standortswahl ­
  neu  zu  errichtender  Betriebe  doch  nach  den  angegebenen  Gesichtspunkten  erfolgen.  Die
Durchführung  einer  volkswirtschaftlichen  und  politischen  Standortspolitik  wird  vor  allem
erleichtert,  wenn  es  gelingt,  die  Kraftversorgung  auf  weite  Entfernungen  zu  billigen  Kosten
zur  Verfügung  zu  stellen.  Ausbau  der  Verkehrsmittel  sowie  Verbilligung  der  Transportkosten
(Sondertarife)  können  das  Übrige  tun.
3.  Der  Standort  der  Handelsbetriebe.  Beim  Handel  liegt  die  Frage  des  Standortes ­
  im  allgemeinen  einfacher.  Dies  gilt  vor  allem  für  den  Kleinhandel,  für  den  es
eine  Standortsfrage  im  vorerörterten  Sinne  eigentlich  nur  in  abgeschwächtem
Maße  gibt;  der  Kleinhandel  ist  immer  oder  doch  vorwiegend  absatzorientiert.  Wo
Verbraucher  in  genügender  Anzahl  beieinander  wohnen  oder  wo  sie  dauernd  oder
zeitweilig  in  großenMassen  Zusammenkommen,  schlägt  der  Kleinhandel  seinen  Sitz
auf.  Eine  Erschwerung  ergibt  sich  dabei  naturgemäß  aus  Wettbewerbsrücksichten.
Eine  gewisse  Rücksicht  auf  die  Zahl  der  Bevölkerung,  ihre  Kaufkraft  in  bezug  auf
die  angebotenen  Waren  und  die  Zahl  der  Wettbewerber  ist  erforderlich.  Doch
muß  die  Natur  der  jeweiligen  Gegend  auch  in  Rechnung  gesetzt  werden;  Verkehrsoder ­
  Laufgegenden  sind  anders  zu  beurteilen  als  etwa  reine  Wohngegenden  mit
Massen  Wohnungen  oder  Einzelhäusern.  Alle  diese  Erörterungen  gelten  jedoch
mehr  für  die  Geschäfte  des  täglichen  Kleinbedarfs,  also  für  Nahrungsmittel-  und
Genußmittelgeschäfte,  Reparaturhandwerker  mit  kleinen  Läden,  Kurz-,  Weißund
  Wollwaren,  Haushaltsbedarf,  Schreibwaren  u.  a.  m.
Für  Geschäfte,  die  Waren  feilhalten,  die  nicht  täglich  gekauft  werden  oder  die
nicht  reiner  Haushaltsbedarf  sind,  sind  andere  Standortsbedingungen  maßgebend.
Solche  Betriebe  drängen  sich  gewöhnlich  an  den  Haupt-  und  Durchgangsstraßen
zusammen  und  bilden  oft  regelrechte  Geschäftsviertel  und  Geschäftsstraßen,  in
            
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