Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

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damit  zu  tun  haben.  Ein  derartiges  Verlangen  ist  mir  immer  unverständlich ­
  gewesen;  es  kommt  mir  das  so  vor,  als  wenn  z.  B.  ein
Privatmann,  der  eine  Fabrik  im  Werte  von  3  Millionen,  die  mit
einer  Hypothek  von  1  Million  belastet  ist,  besitzt,  erklären  würde:
„Ich  muß  jetzt  schnell  dafür  sorgen,  daß  ich  diese  Hypothek  abdecke,
denn  sonst  kommen  ja  meine  Kinder  in  eine  ganz  unglückliche  Lage."
Er  hinterläßt  doch  aber  seinen  Kindern  den  ganzen  Besitz,  und  es
wäre  mehr  als  töricht,  wenn  er  verpflichtet  sein  sollte,  den  Besitz
schuldenfrei  zu  vererben.  Ebensowenig  kann  die  kommende  Generation
in  Deutschland  verlangen,  daß  die  jetzige  bis  an  ihr  Lebensende  am
Hungertuch  nagen  soll,  damit  die  Kinder  nur  ja  wieder  wirtschaftlich
besser  gestellt  sind.  Viel  richtiger  ist  es,  Staatsschulden  in  langsamer
Weise,  auf  einen  längeren  Zeitraum  verteilt,  zu  tilgen;  es  wäre
töricht,  unser  ohnehin  schon  geschwächtes  Wirtschaftsleben  durch  ungeheure ­
  Steuerprojekte  und  Blutentziehung  des  Kapitals  noch  mehr
zu  zerrütten.  Auch  dies  möge  ein  Beispiel  verbildlichen:  Es  hat
jemand  zu  Friedenszeiten  4000  M.  im  Jahr  verdient,  mit  denen
er  und  seine  Familie  auskamen.  Er  verfügte  freilich  in  Wirklichkeit
nur  über  3600  M.,  weil  er  ein  früher  einmal  geliehenes  Kapital
von  4000  M.  verzinsen  und  amortisieren  mußte.  Plötzlich  kommt
er  durch  Krankheit  in  eine  schwierige  Lage,  muß  seine  Stellung
wechseln  und  verdient  vorläufig  nur  2000  M.  im  Jahre.  Außerdem
sind  die  Schulden  durch  Krankheit  auf  6000  M.  gestiegen.  Er  ist
nun  in  einer  furchtbaren  Lage,  denn  seine  Familie  ist  gezwungen,
ihre  bisherigen  Ansprüche  um  über  die  Hälfte  zu  reduzieren.  Die
Zinsen  bezahlt  er  selbstverständlich  als  ehrlicher  Mensch  weiter,  aber
wie  unklug  und  dabei  aussichtslos  wäre  es,  wenn  er  in  dieser  Lage
nun  erklären  wollte:  „Jetzt  muß  ich  aber  ganz  besonders  dafür
sorgen,  daß  ich  meine  Schulden  tilge,  trotzdemmeineEinnahmennichteinmal ­
  für  den  täglichen  Bedarf  ausreichen."  In  einer  ähnlichen,  vielleicht
sogar  noch  schlimmeren  Lage  befindet  sich  heute  das  deutsche  Volk.
d)  Finanzwirtschaftliche  Kritik.
Die  am  meisten  hervorstechenden  und  für  die  Steuerpraxis  vielleicht ­
  wichtigsten  Grundsätze  sind  die  der  Finanzwirtschaft.  Diese
gipfeln  in  folgenden  beiden  Punkten:  1.  Die  Steuer  muß  in  ihrem
Ertrag  genügend,  d.  h.  mit  einem  Wort,  ergiebig  sein,  2.  sie  muß
beweglich  sein,  d.  h.  leicht  zu  größerer  Ergiebigkeit  gebracht  werden
            
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