Full text : Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre

A
Lehren von Adam Smith in den deutschen Hochschulbetrieb,
etwa bis 1830, in Blüte gestanden.
Ein besonderes wirtschaftstheoretisches System bedeuten
 sie nicht. Sie sind vielmehr im Grunde nichts anderes
als die auf die besonderen deutschen Verhältnisse zugeschnittene
 Anwendung jener bekannten politischen, ökonomischen
 und ethischen Ideen, die in Europa unter dem sog.
Merkantilismus in Geltung waren.
Die besonderen deutschen Verhältnisse ergaben sich
aus den staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Wirkungen
des großen Religionskrieges und stellen sich als einzelstaatlicher
 Absolutismus auf der einen, Entvölkerung und Verarmung
 auf der anderen Seite dar.
Der 30jährige Krieg stellte all die Fürsten der deutschen
Einzelstaaten zunächst vor die Aufgabe der ökonomischen
Wiederaufrichtung, später vor die des Stärkermachens und
Starkerhaltens ihrer Territorien und daneben der Durchführung
 des Absolutismus.
Für diese große Aufgabe bedurften die Fürsten der Helfer
 als Gutachter, Kritiker, Propagandisten und Beamtenunterweiser,
 und diese Helfer erstanden ihnen zunächst aus
dem Kreise ihrer gehobenen Staatsdiener, die, weil den
Kammerkollegien der reformierten Verwaltungen entnommen,
 als Kameralisten bezeichnet wurden. Mit ihnen beginnt
 in Deutschland die andauernde und vielseitige literarische
 Pflege ökonomischer Gedankengänge, die unter dem
Namen Kameralwissenschaften zusammengefaßt werden.
Es ergibt sich also, daß in Deutschland, wie auch sonst
in der Welt, die ökonomische Wissenschaft zuerst außerhalb
der hohen Schulen gepflegt worden ist.
Zwar haben sich Lehrer der Philosophie oder der Weltweisheit,
 wie man damals gerne sagte, auch mit ökonomischen
 Problemen befaßt, wie es vorher schon die Kirchenväter
 und Theologen getan hatten. Zu einer fruchtbringenden
 Behandlung sind sie jedoch.in Deutschland nicht gelangt.

            
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