FÜNFTES KAPITEL
DIE KONFERENZ VON SPA
Bald nachdem der Vertrag von Versailles in Kraft gesetzt war,
traten auf Betreiben von Lloyd George die Premierminister der
alliierten Hauptmächte miteinander in Verbindung, um die im
Vertrage offen gebliebene Höhe der Reparationsschuld fest-
zustellen, Lloyd George, der in Versailles seine gemäßigten An-
sichten bei den Franzosen nicht hatte durchsetzen können,
glaubte, daß jetzt. die Zeit gekommen sei, durch Aussprache
zwischen den alliierten Mächten und unter Teilnahme Deutsch-
lands das Problem endgültig zu regeln. Unter dem Vorsitz des
italienischen Ministerpräsidenten Nitti fand vom 19, bis 26, April
1920 eine erste Besprechung der Alliierten in San Remo statt,
die im Streit der verschiedenen Ansichten ein materielles Er-
gebnis zwar nicht zeitigte, wohl aber dazu führte, daß die deutsche
Regierung am 26, April zu einer Konferenz in Spa eingeladen
wurde, Die Form der Einladung ist so bezeichnend, daß sie hier
zitiert werden soll. Als Anlaß diente das Ersuchen des deutschen
Reichswehrministers an den Obersten Rat, ein Heer von 200 000
Mann anstatt der im Vertrage vorgesehenen 100000 Mann zu
unterhalten, Das Ersuchen wurde mit folgender Bemerkung ab-
gelehnt:
„Deutschland hat seine Verpflichtungen nicht erfüllt, Das be-
zieht sich sowohl auf die Zerstörung des Kriegsmaterials, wie auf
die Herabsetzung der Heeresbestände, die Kohlenlieferungen, die
Reparation und die Kosten für das Besatzungsheer, Es hat wegen
der Anschläge, die wiederholt auf Mitglieder alliierter Missionen
57