Full text : Lohnpolitik

die  Rede  fein  kann.  Ich  erblicke  in  derartigen  Statiftiken
wohl  eine  wichtige  Grundlage  und  einen  bedeutungsvolien
Faktor  für  die  Lohnregulierung,  möchte  aber  die  aut  om
  a  t  i  f  c  h  e  Wirkung  foicher  Statiftiken  für  unangängig
halten.  Dabei  leiten  mich  folgende  Erwägungen:
Einmal  ift  es  fchwer,  die  Koften  der  Lebenshaltung  genau
zu  erfaffen.  Hinfichtlich  der  Lebensmittel  im  engem  Sinne
ift  es  möglich,  hinfichtlich  anderer  Bedarfsartikel,  wie  Kleidung ­
  und  dergleichen  ift  cs  wcfentlich  fchwieriger,  wenn
nicht  unmöglich.  Weiterhin  ift  unter  Umftändcn  aus  Volkswirtfehaftiiehen
  und  politifchen  Gründen  eine  gewiffe  Herabfetzung
  der  Lebenshaltung  unvermeidlich.  Wer  wollte  das
z.  B.  von  unfercr  gegenwärtigen  Lage  leugnen.  Das  Mafz
der  Notwendigkeit  diefer  Herabfetzung  der  Lebenshaltung
wechfelt  und  ift  umftritten.  Umgekehrt  kann  man  der
Arbeitcrfchaft  in  beffern  Tagen  nicht  zumuten,  lediglich  die
Koften  der  Lebenshaltung  für  ihre  Tarifpolitik  entfeheiden  zu
taffen.  Die  Produktionskoften  der  Arbeit  find  eben  nur  c  i  n
Faktor  für  die  Bemcffung  der  Löhne.  Wahrfcheinlich  wird
auch  hier  die  Arbeitcrfchaft  fowohl  wie  die  übrige  öffentliche ­
  Meinung  zu  der  Überzeugung  kommen,  daß  eine
mechanifch  wirkende,  gleitende  Lohnfkala  undurchführbar  ift.
Den  Tcuerungsvcrhältniffen  kann  weiterhin  Rechnung
getragen  werden  durch  Tariffchicdsgerichtc  und
durch  Gewährung  von  T  cuerungszu  fch  läg  cn.
3.  Bei  Feftfetzung  der  Löhne  ift  auf  die  Lciftungsfähigkeit
  des  Gewerbes  die  nötige  Rück  ficht  zu
nehmen.  Dabei  muß  allerdings  gefordert  werden,  daß  gewiffe ­
  Rcfervcn  guter  Jahre  einem  Ausgleich  der  Löhne  in
fchlechtern  Zeiten  dienftbar  gemacht  werden.  Gleichwohl
muß  die  Aufrechtcrhaltung  der  Induftric  auf  ihrer  technifchen
  Höhe  und  ihrer  Konkurrenzfähigkeit  oberfte  Richtfchnur
  bleiben.  Schließlich  darf  die  Lohnpolitik  nicht  dahin
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