Full text : Aktive Währungspolitik

Währungstechnische  Vorschläge  für  die  Sicherung  der  Wahrung.

54

infolge  derselben  Stimmung  der  Kredit  und  der  Gebrauch  der  Geldsurrogate
eingeschränkt  wird  —  dann  muß  der  Staat  mit  entsprechenden  Geldmassen
zu  Hilfe  eilen.
Der  Staat  muß  also  die  Schwankungen  ausgleichen,  denen  das  Geldangebot ­
  durch  die  Stimmung  (Nervosität,  Spekulation,  Hoffnung,  Angst  und
Panik)  unterworfen  ist.
Das  ist  die  erste  und  wichtigste  Aufgabe  des  Staates  in  seinem  Verhältnis ­
  zum  Gelde,  und  diese  Aufgabe  überragt  so  weit  alle  anderen  währungstechnischen ­
  Maßnahmen,  daß  sich  diese  samt  und  sonders  der  ersten  unterzuordnen ­
  haben.
Man  könnte  einwenden,  daß,  wenn  das  Angebot  von  Geld  Schwankungen ­
  unterliegt,  die  Warenproduktion  sich  diesen  Schwankungen  anzuschmiegen ­
  hat.  Wird  wenig  Geld  angeboten,  so  brauchcir  die  Arbeiter  „nur"
wenig  Waren  zu  erzeugen,  dann  stellt  sich  das  Gleichgewicht  von  selber  her,
ohne  daß  es  nötig  wird,  mehr  Geld  in  den  Verkehr  zu  bringen.  Man  schließt
einfach  die  Fabriken,  entläßt  einfach  die  Arbeiter,  unterläßt  einfach  den  beabsichtigten ­
  Neubau,  läßt  einfach  die  Felder  brach  liegen  usw.,  und  weil  dann
die  Produktion  von  Waren  und  dementsprechend  auch  das  Angebot  nachläßt,  so
paßt  sich  das  Angebot  von  Waren  dem  verminderten  Angebot  von  Geld  an,
und  die  Preise  ändern  sich  dann  nicht  mehr.
Für  die  Emissionsbanken  hat  diese  zweite  Methode  vor  allem  den  Vorzug ­
  der  Bequemlichkeit.  Sie  brauchen  sich  dann  um  gar  nichts  zu  kümmern.
Einerlei  wieviel  Geld  sie  in  den  Verkehr  werfen  —  das  Warenangebot  paßt
sich  dem  Geldangebot  an.  Für  die  Notenbank  ist  es  viel  bequemer  zu  sagend
„paßt  euch  den  Geldmaßen  an,  die  ich  dem  Verkehr  übergebe,  und  laßt  mich
kn  Ruh!"  als  wenn  sie  umgekehrt  den  Bedarf  an  Geld  ermittelt  und  die
Emission  diesem  Bedarf  anpaßt.
Und  tatsächlich  haben  sich  ja  auch  die  Emissionsbanken
dem  Trägheitsgesetz  folgend  regelmäßig  für  diese  bequeme
Methode  entschlossen.  Sie  haben  immer  mit  Seelenruhe  und  verschränkten ­
  Armen  zugeschaut,  wenn  das  Volk  verzweifelte  Anstrengungen
machte,  um  nicht  „zu  viel"  zu  produzieren,  wenn  die  Warenpreise  durch
Arbektcrentlassungen  vor  weiteren  Einbußen  geschützt  wurden.  Die  gute,  die
brave  Reichsbank  nannte  diese  Arbeiterentlassungen  eine  Folge  der  Überproduktion, ­
  und  die  hungernden,  frierenden  Arbeiter,  die  biederen  Jünger
Marx,  die  sich  um  so  viel  Nebensächliches  kümmern,  zu  dieser  währungstechnischen ­
  Blasphemie  haben  sie  nichts  zu  bemerken.
Es  ist  auch  in  der  Hauptsache  dieser  Methode  zuzuschreiben,  warum  in  Ländern  mit  Papiergeld ­
  die  Schwankungen  der  Preise  in  der  Regel  sehr  groß  sind.
Der  Staat  wirst  hier  ein  Quantum  Papiergeld  auf  den  Markt,  und  mit  diesem  ehernen  Bestand, ­
  dessen  Angebot  von  tausend  Umständen  beeinflußt  wird,  muß  sich  der  Handel  behelfen.
So  war  z.  B.  inArgentinien  die  Emission  im  Jahre  1894  auf  ZOO  Millionen  bemessen,  und  mit
diesen  Z00  Millionen  mußte  sich  der  Handel  6  volle  Jahre  bis  1900  behelfen.  Auf  das  Wachstum ­
  der  Bevölkerung,  auf  die  steigende  Produktion,  auf  die  sich  ausdehnende  Arbeitsteilung  usw.
nahm  die  Regierung  keinerlei  Rücksicht.  Sie  machte  es  genau  wie  die  Reichsbank:  behelft  euch
mit  meinen  Emissionen,  schränkt  die  Produktion  ein,  entlaßt  die  Arbeiter,  wenn  die  Preise  sinken.
Und  sie  erzielte  damit  auch  die  gleiche  Wirkung.  Die  Preise  stiegen  und  fielen,  und  diesen  Schwankungen ­
  suchte  sich  die  Produktion  anzupassen,  indem  sie  heute  die  Arbeiter  zur  Produktion  heran-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.