Full text : Aktive Währungspolitik

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Das  Reichsgeldamt.

Die  Methode,  die  ich  hier  empfehle  (zuerst  km  Jahre  1902  veröffentlicht ­
  in  der  Zeitschrift  „Die  Geldreform"),  gründet  auf  folgenden  Tatsachen:
Der  Regel  nach  gewinnt  der  Kaufmann  durch  preksverschiebungen  bei
einzelnen  Waren,  wahrend  er  bei  anderen  verliert.  Zieht  er  solchen  Gewinn
vom  Verlust  ab,  so  sagt  ihm  der  Rest,  wieviel  er  im  Durchschnitt  infolge
solcher  Preisänderung  gewonnen  oder  verloren  hat.  Bringt  er  diesen  Rest
kn  Vergleich  mit  seinem  Warenkapktal,  so  weis;  er  in  Prozenten,  um  wie  viel
im  Durchschnitt  die  preise  seiner  Waren  gestiegen  oder  gefallen  sind.
Er  wird  von  einer  privatwirtschafilichen  Hausse  oder  Baisse  sprechen.
Aber  diese  privatwirtschastliche  Hausse  oder  Baisse  nimmt  volkswirtschaftlichen ­
  Charakter  an,  wenn  wir  diese  privatwirtschafilichen  Ergebnisse  sammeln,
wenn  durch  Gesetz  alle  Gewerbetreibenden  gehalten  werden,  solche  Berechnungen ­
  vorzunehmen  und  das  Resultat  einer  Zentralstelle  zu  melden,  wenn
wir  die  aus  Preisdifferenzen  enstandenen  Gewinne  und  Verluste  sämtlicher
Gewerbetreibenden  zusammenzählen,  diese  Gesamtgewinne  von  den  Gesamtverlusten ­
  abziehen  und  den  Rest  mit  dem  Gesamtkapital  vergleichen.  Wenn
das  Ergebnis  dann  etwa  einen  Gesamtgewinn  von  5  oder  10 u /o  des  in
Waren  angelegten  Kapitales  meldet,  so  werden  wir  mit  vollem  Recht  von
einer  volkswirtschaftlichen,  nicht  mehr  von  einer  privatwirtschafilichen  Hausse
von  5  oder  10°/o  sprechen.
Heben  sich  dagegen  sämtliche  privatwirtschafilichen  Inventurgewinne  und
-Verluste  (nicht  init  Betriebsgewinnen  zu  verwechseln)  ohne  Rest  auf,  so
wäre  der  wissenschaftliche,  einwandfreie  Beweis  der  Wahrung  erbracht,  nämlich
der  Beweis,  daß  im  Durchschnitt  sämtlicher  Privatwirtschaften  die  Warenpreise ­
  weder  gestiegen  noch  gefallen,  daß  also,  volkswirtschaftlich  betrachtet,
die  Warenpreise  fest  geblieben  sind.
Hier  folgen  nun  einige  Muster  solcher  privatwirtschafilichen  Währungsberechnungen. ­
  .  ^  „,,
1.  Kaufmann  Müller:

Lagerbestand

Markt-  oder  <v,  .
Inventurpreis  33efras

Einstands-  oder
bezahlter  preis

Betrag

1000  Strümpfe

.  .  2.20

2  200

2.10

2100

300  Hemden  .

.  .  12.50

3  750

13.00

3  900

500  Hosen  .  .

.  .  9.30

4  650

9.60

4  800

700  Kragen

.  .  3.10

2  870

3.40

2380

2000  Hüte  .  .

.  .  7.60

15200

7.20

14  400

Marktpreis  oder  Tagespreis  .  .  .
Bezahlter  Preis  oder  Einstandspreis
Gewinn

28  670
28  670
27  580
1  090;

27580

das  ist  3,9°/°  des  Kapitals.

Nach  dieser  Aufstellung  sind  die  Waren,  die  Kaufmann  Müller  auf
Lager  hat,  zum  Teil  km  preise  gestiegen  und  zum  Teil  gefallen,-  im  Durchschnitt ­
  aber  stehen  sie  um  3,9%  höher.  Müßte  er  diese  Waren  am  Tage
der  Inventur  kaufen,  so  müßte  er  28  670  auslegen,  während  er  sie  für
27  580  erstanden  hat.
            
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