Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Fasern 
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Federn 
ein Jahr, und verwendet sie gepulvert oder in 
form des ätherischen Extraktes (iat. Extrac- 
htm filicis aethereum, frz. Extrait de fougfere, 
®ngl. Extract of male fern). 
Fasern. Als Ersatz für die fehlende Einfuhr 
v on Fasermaterial für Gespinste und Gewebe 
hat man während des Krieges in erster Linie 
an die Steigerung des Hanf- und Flachs 
baues (s. d.) gedacht, daneben aber Versuche 
°ht zahlreichen anderen einheimischen Stoffen 
gemacht. Als Stopf- und Polstermäterial 
Wurden die Samenhaare der Distel und des 
Weidenröschens sowie zerstoßene Tannen- 
Oadeln (Waldwolle), für Stricke, Ge 
spinste u. dgl. die Fasern von Rohrkolben 
fl'ypha), Riedgras (Carex), Schilf (Calama- 
grostis), Sonnenblume, Lupine, Melilotus, Hop 
fenranken, Ginster (Kosmosfaser), Torf, Stroh 
(s. Stranfa), Nessel (s. d.), Weidenbast (s. 
d), Zellulose (s. Papiergarn) vorgeschlagen. 
Nur die drei letzteren haben praktische Be 
deutung erlangt. 
Faulbaumrinde (lat. Cortex frangulae, frz. 
Ecorce de bourdaine, engl. Black aldertree) 
heißt die Rinde der jüngeren Äste vom Kreuz 
dorn oder Pulverholz (Rhamnus Frangula), 
Einern in Wäldern und Ufergebüsch Europas, 
Mittelasiens und Nordafrikas häufig verkom 
menden Strauche mit rundlichen, gespitzten, 
ganzrandigen Blättern, kleinen weißen Blüten 
und anfangs roten, dann schwarzen erbsen 
großen Beeren. Die dünne, schwach glänzende, 
lt n trockenen Zustande gerollte Rinde ist außen 
dunkel- oder braungrau, mit vielen weißlichen, 
länglichen Korkwärzchen besetzt, innen grün- 
gplblich bis rötlichbraun. Sie schmeckt scharf 
bitter und schleimig und enthält neben ätheri 
schem Öl ein früher als Frangulasäure oder 
Frangulin bezeichnetes Glykosid, das bei der 
Hydrolyse in ein Emodin übergeht. F. wird als 
^bführmittel gebraucht, aber erst nach längerem 
lagern, da die frisch getrocknete Rinde Erbrechen 
Leibschmerzen hervorruft. Das Holz findet 
bei der Schießpulverbereitung Verwendung. 
Federn (frz. Plumes, engl. Feathers, Pens) 
^ er schiedener Vögel bilden als Bettfedern und 
bchmuckfedern einen wichtigen Handels- 
art *kel. Die Bettfedern (frz. Plumes ä lit, 
* n gl. Bed feathers) stammen hauptsächlich von 
ber Hausgans (Gänsefedern), zum kleineren 
i e d von Schwänen, während die Federn von 
"raten und Hühnern meistens weggeworfen wer- 
oder nur als ganz geringes Stopfmaterial 
?' e nen. Die vorzüglichste Art der Bettfedern 
"den die Eiderdaunen (Daunen oder Du- 
1 u, frz. Duvets, Edrcdons, engl, Eiderdown), 
, er weiche Flaum eines nordischen Seevogels, 
er Eiderente oder Eidergans (Somateria 
“Jollissima), der aus den Brutnestern gesam 
melt wird und beim Weibchen graubräunlich, 
l 1 Hem weniger geschätzten Flaum des Mann 
ens rein wc.ß ist. Die meisten Federn werden 
^ den kleinen, rings um Island hegenden un- 
ewolmten Inseln, weitere Mengen an den nor- 
^.cgischen Küsten gesammelt. Als beste gelten 
le Grönländer. Die Daunen kommen über Ko- 
ecnhagen, Hamburg und Lübeck entweder roh 
2 er schon gereinigt in den Handel, und 
War meist in fest zusanunengebällten Klumpen 
von i'/a— 2 hg Schwere, die sich beim Er 
wärmen ungeheuer ausdehnen. Bei der geringen 
Menge, die zur Füllung nötig ist, und besonders 
in Betracht ihrer langjährigen Dauer, ist der 
Aufwand für Daunen im Vergleich zu gewöhn 
lichen Federn gar nicht so übermäßig hoch. 
Man rechnet die Daunen von 12 Nestern auf 
'/a kg. Eine noch seltenere und teurere Art 
stammt von der Königs-Eiderente (Soma 
teria spectabilis), die mehr an den nördlichen 
Küsten Asiens und Amerikas lebt. Spitzbergen, 
Nowaja Semlja usw. sind die Bezugsquellen der 
über Rußland kommenden Ware. Nächst den 
Eiderdaunen liefern die Gänsefedern das ge 
bräuchlichste Material zum Füllen von Betten. 
Sie kommen aus dem nördlichen Deutschland, 
aus Rußland, Polen, Böhmen, Galizien und Un 
garn in fest gefüllten Säcken, Fässern oder 
Kisten über Frankfurt a. O., Berlin, Breslau, 
Leipzig usw. in den Handel und werden ge 
wöhnlich erst in zweiter Hand gewaschen, ge-' 
schlissen (d. h. vom Kiel befreit) und in mehrere 
(drei) Nummern sortiert. Die besten F. erhält 
man durch wiederholtes Rupfen lebender 
Gänse, wobei immer die lose sitzenden abge- 
nomrnen werden, da diese als lebendiges oder 
Sommergut bezeichnten allein völlig reif, 
elastisch und haltbar sind. Weniger wertvoll ist 
das von geschlachteten Tieren genommene tote 
oder Wintergut. Am schlechtesten sind die 
F. von krepierten Tieren, auch haben Nahrung 
und Lebensart großen Einfluß auf die Güte der 
F. Bei freiem Naturleben, auf Weide und reinen 
Gewässern wird das Federkleid am vollkom 
mensten, während Stall- oder gar Mastgänse 
nichts Gutes erzeugen. Den Federhändlcrn wirft 
man vor, daß sie nicht selten Schlechtes zu 
Gutem mischen und das Gewicht der Ware 
durch beigemengten Kalk, Gips usw., oder 
feuchte Lagerung (auf mehr als 10 0/0 Wasser) 
erhöhen. — Zu Schmuck- oder Putzfedern 
geeignetes Material kann im allgemeinen nur 
als Jagdbeute aus weiter Entfernung eingeführt 
werden, doch werden auch die größeren Schwanz 
federn des Hofgeflügels, namentlich der Hähne 
und Truthähne, zu Federbüschen und zur Nach 
ahmung ausländischer F. benutzt. Die wichtig 
sten aller Putzfedern sind die Flügel- und 
Schwanzfedern der .Strauße, die früher aus 
schließlich vonj wild lebenden Tieren auf dem 
Wege der Jagd gewonnen wurden und aus 
Arabien über Ägypten, aus Nordafrika über 
die Handelsplätze der Nord- und Westküste, 
aus Südafrika durch England in den Handel 
gelangten. Alle das Mittelmeer berührende Ware 
sammelte sich in Livorno oder Marseille, um 
von hier aus sortiert weiter versandt zu wer 
den. Von der Gewohnheit der berittenen Jäger 
(Beduinen),, dem erlegten Tiere zunächst die 
Federn erster Sorte auszuziehen und darauf den 
abgezogenen umgekehrten Balg als Behälter für 
alle Federn zu benutzen, erklärt sich die Form 
der Stücke, in denen sie von den Aufkäufern 
geliefert werden. Neuerdings gewinnt man die 
Straußenfedern fast ausschließlich auf besonde 
ren Musterfarmen, in Kapland (Colesberg), Kali 
fornien, Neuseeland und Australien, in denen 
die Tiere entweder in halber Freiheit leben oder 
regelrecht gezüchtet und gefüttert werden. Allein
	        
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