Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

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Formen des Arbeitslohnes ganz scharf von den passiv 
erworbenen Profiten der Actionäre scheidet, ergiebt sich 
ganz klar, dass der Profit dieser’ Actionäre mit irgend 
welcher gegenwärtigen Arbeit gar nichts zu schaffen hat 
und nichts anderes ist, als das Erzeugnis der Agiotage, 
die Frucht des Privateigentums an den Capitalien. 
Aber, so wird man sagen, um die socialistischen 
Schlussfolgerungen zu rechtfertigen, müsste erst noch nach 
gewiesen werden, dass dieses Eigentum selbst nicht legitim 
ist. Wenn die Profite kein Entgelt für gegenwärtig ge 
leistete Arbeit sind, so sind sie doch vielleicht eine Ent 
schädigung für frühere Arbeit. Wenn es passive Capita- 
listen giebt, Eigentümer, die nicht arbeiten, so deshalb, weil 
sie in der Regel gearbeitet haben, weil sie sich durch 
Aufwendung von Arbeit und Intelligenz, durch die Be 
tätigung aussergewöhnlicher Eigenschaften als Erfinder 
und Organisatoren und durch ihre Initiative bei der 
Schaffung ihres Vermögens das Recht erworben haben, 
hinfort nichts mehr zu thun. 
-Gegen diese Argumentation liesse sich sehr viel ein 
wenden. Der Nachweis wäre übrigens leicht, dass fast 
immer die Quellen der grossen Vermögen keineswegs so 
krystallklar gewesen sind. Die Geschichte des Grundeigen 
tums wie des capitalistischen Eigentums lehrt uns viel 
mehr eine Reihe anderer Ursachen der Bereicherung: 
Verschleuderung der Staatsdomainen; brutale oder betrü 
gerische Expropriation der Gemeinländereien und des 
bäuerlichen Eigentums; billiger Kauf der Kirchengüter; 
Bergwerks- oder Eisenbahnconcessionen, die für ein Butter 
brot gegeben und sehr häufig später weit über ihren 
Wert zurückgekauft worden sind; Wucher; verdächtige 
Speculation; Börsenspiel; Corner, d. h. monopolisti 
scher Aufkauf notwendiger Verbrauchsgegenstände zur 
Preisverteuerung; unerlaubte Coalition; ferner das von 
selbst entstehende und automatische Anwachsen der Grund 
rente infolge der Vermehrung der Bevölkerung und der
	        
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