Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Von  den  genannten  Zahlungen  auf  das  Kapital  der  600  000  Tlr.
lagen  zum  Zeitpunkt  der  Entmündigung  in  Hamburg  noch  57  060  fl
(6340  Ldor  ä  5  rf)  in  Bereitschaft,  die  zur  Verfügung  des  Grafen
gestellt,  aber  noch  nicht  von  ihm  abgehoben  waren.  Diese  Summe
wurde  im  Juni  1808  wieder  zurückgezogen.  Damit  verminderte
sich  die  zur  Auszahlung  gelangte  Kapitalsumme  auf  401  500  Tlr.
Von  dieser  Summe  wurden  durch  zurückdatierte  Scheinzession
200  000  Tlr.  auf  den  Namen  der  Gräfin  von  Hessenstein,  157  500
und  44  000  Tlr.  auf  Buderus’  Namen  gestellt,  und  in  diesem  Sinne
wurde  auch,  als  das  Konkursverfahren  über  das  Vermögen  des
Schuldners  eröffnet  war,  liquidiert.
Kurator  der  gräflich  Hahnschen  Masse  war  der  Landrat
von  Vieregg.  Er  war  darauf  bedacht,  den  Kurfürsten  vor  Nachteil
zu  bewahren,  doch  gelang  es  ihm  nicht,  die  Summe  der  200  000  Rtlr.,
die  aus  der  Oberrentkammerkasse  vorgeschossen  waren,  zu  retten.
Sie  mußte  durch  Vergleich  an  die  Franzosen  erstattet  werden.  Im
übrigen  kam  der  gräflich  Hahnsche  Prozeß  während  der  Exilzeit
nicht  mehr  zum  Austrag 186 .
Nur  mit  einer  Person,  soweit  ich  sehe,  machte  der  Kurfürst
eine  Ausnahme  bei  der  Verleihung  an  Private,  nämlich  mit  Rothschild,
ln  früheren  Jahren  hätte  er  diesem  ebensowenig  wie  anderen  Bankiers
ein  Leihkapital  zugestanden,  ohne  durch  ein  Unterpfand  gedeckt
zu  sein.  Jetzt  war  es  anders  geworden.  Im  Sommer  1808  erhielt
Rothschild  auf  16  Wechsel  die  Summe  von  223  800  fl  zum  Zinsfuß
von  4°/o  geliehen.  Je  größer  die  Summe  eines  Wechsels,  um  so
länger  wurde  in  der  Regel  die  Aufkündigungsfrist  bemessen.  Sie
schwankte  zwischen  zwei  und  sechs  Wochen.  Rothschild  hatte
das  Anlehen  nicht  etwa  verlangt,  es  wurde  vielmehr  durch  Buderus
veranlaßt,  der  seine  Kassenvorräte  auf  diese  Weise  los  werden
wollte.  Und  doch  ließ  sich  der  Kurfürst  nicht  leichten  Herzens
herbei,  seinem  Oberhofagenten  eine  solche  Summe  ohne  Sicherheit
zu  überlassen.  Das  Vertrauen  zu  Rothschild  war  noch  kein  unbedingtes, ­
  es  war  jedoch  seit  der  denkwürdigen  Auseinandersetzung,
die  der  Kurfürst  mit  Buderus  in  Itzehoe  gehabt  hatte,  erheblich
gestiegen.  Später  richtete  es  Buderus  so  ein,  daß  der  Kassenvorrat
seiner  Monatsrechnüng,  wenn  er  erheblich  war,  regelmäßig  durch
Rothschilds  Debet  in  dessen  Kontokorrent  wenigstens  annähernd
erreicht  wurde,  so  daß  ihm  die  Aufbewahrung  dieser  Gelder  de  facto
durch  Rothschild  abgenommen  wurde.  Nur  noch  ein  Mal  wieder-
            
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