Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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holte  sich  drei  Jahre  später  der  Vorgang  vom  Jahre  1808,  und
zwar  bei  der  Reservekasse.  Am  15.  April  1811  lieh  nämlich
Rothschild  gegen  Wechsel  100  000  fl  in  Wiener  Bankozetteln
zu  4 1 /2°/o,  und  am  folgenden  Tag  66142  fl  44  kr  zu  4°/o.  Beide
Summen  zahlte  er  zurück  in  Wiener  Einlösungsscheinen,  die
erstere  am  1.  Dezember  mit  20  000  fl,  die  letztere  am  1.  Oktober
mit  12228  fl  32  kr  Z'/s  Pf 187 .
ln  demselben  Maße  wie  an  Privatleute  war  dem  Kurfürsten
natürlich  auch  das  Verleihen  an  Souveräne  verleidet.  Denn  alle
derartigen  Leihkapitalien  konnten  gegebenenfalls  durch  eine  feindliche ­
  Macht  beschlagnahmt  werden.  Eine  ganz  andere  Sicherheit
boten  in  dieser  Beziehung  die  Inhaberpapiere.  Und  deshalb  war
der  Kurfürst  darauf  bedacht,  seine  Überschüsse  entweder  direkt  in
Staatspapieren  anzulegen  oder  sich  wenigstens  sein  Leihkapital
durch  ein  Unterpfand  von  Staatspapieren  sichern  zu  lassen.  Wenn
er  auch  ein  Geizhals  war,  so  war  er  doch  kein  Mann  von  so
gefühlloser  Hartherzigkeit,  daß  er  nicht,  wie  für  seine  treuen
Soldaten,  auch  für  seine  treugesinnten  Untertanen  ein  weniges
übrig  gehabt  hätte.  Das  Fürstentum  Hanau  hatte  im  Jahre  1807
seine  französische  Kriegskontribution  abzutragen  und  war  genötigt
360000  fl  in  Anleihe  aufzunehmen.  Der  Kurfürst  erleichterte  ihm
diese  Auflage  in  etwas,  indem  er  sich  dazu  verstand,  der  Hanauer
Landkasse  gegen  ein  Unterpfand  von  Obligationen  und  um  den
geringen  Zins  von  4°/o  ein  Kapital  von  100  000  fl  zu  leihen,  ln
sieben  Terminen  vom  1.  Juni  bis  10.  September  wurde  von  Meyer
Amschel  Rothschild  das  Geld  ausgezahlt,  und  zwar  auf  Anweisungen
Order  Blum 188 .  Der  Rest  wurde  durch  eine  Zwangsanleihe  aufgebracht. ­

Auch  die  kurhessischen  Landstände  hatten  ein  Anlehen  aufgenommen, ­
  und  zwar  mit  Zustimmung  des  vertriebenen  Landesherrn. ­
  Am  3.  August  1807  trug  dieser  dem  Kriegsrat  Lennep  auf,
20  000  Rtlr.  von  den  durch  fällige  Kupons  oder  sonst  eingehenden
Geldern  in  Obligationen  jener  Anleihe  anzulegen.  Als  Lennep  6000  Rtlr.
dementsprechend  aufgewandt  hatte,  mußten  diese  Papiere  zur  Vermeidung ­
  der  angedrohten  Annulierung  gegen  sog.  Westfälische
Amortisations-Kassen-Obligationen  umgetauscht  werden.  Letztere
fielen  beständig  und  waren  im  Juli  1811  unter  45°/o  gesunken 189 .
Diese  kleinen  Summen,  die  dem  notleidenden  Lande  zu  Hilfe
kommen  sollten,  fallen  indes  gegenüber  den  großen  Überschüssen
            
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