lexikons auf, die im Jahre 1836, vier Jahre nach Gentz’ Tode,
herauskam. Dort lesen wir im 9. Band Seite 432 und 433 folgendes:
„Als der Kurfürst 1806, da seine Staaten durch die Franzosen
besetzt wurden, sich zur Flucht genötigt sah, überließ er R. die
Sorge für die Rettung seines Privatvermögens, welches in mehreren
Millionen Gulden bestand. Nur durch die Aufopferung seines ganzen
eigenen Vermögens und nicht ohne persönliche Gefahr vermochte R.
das ihm anvertraute Gut zu retten. Die bekannte Thatsache, daß R’s
sämmtliches Vermögen ein Raub der Franzosen geworden, ließ den
vertriebenen Kurfürsten nicht zweifeln, daß auch sein Vermögen
verloren sei, ja er scheint es nicht einmal der Mühe werth geachtet
zu haben, sich näher darnach zu erkundigen. Als die Verhältnisse
sich wieder geordnet, fing R. sofort an, mit den geretteten Schätzen
neue Geschäfte zu machen . . . als im J. 1813 der Kurfürst in seine
Staaten heimkehrte, war das Haus Rothschild nicht nur erbötig,
die ihm anvertrauten Capitalien sofort zurückzuzahlen, sondern
versprach auch, vom Tage des Empfanges an die üblichen Procente
zu bezahlen. Der Kurfürst, durch einen Beweis der Redlichkeit
und Rechtlichkeit, wie er hier vorlag, wahrhaft in Erstaunen versetzt,
ließ das ganze Capital noch auf mehrere Jahre in dem Geschäfte,
verzichtete auf alle früheren Interessen, nahm nur erst von der
Zeit seiner Rückkehr an einen geringen Zins und hat gewiß nicht
wenig durch seine Empfehlungen, zumal auf dem Wiener Congresse,
die Verbindungen des Hauses Rothschild gefördert.“
Wer unsere obige Darstellung verfolgt hat, dem wird die
Sicherheit, mit der hier die Legendenbildung auftritt, ein wenig in
Erstaunen setzen. Und nun erschien obendrein noch eine Ver
öffentlichung, die geeignet war, selbst den vorsichtigen wissenschaft
lichen Fachmann gefangen zu nehmen. Im Jahre 1848 kam ein
englisches Buch heraus, das wertvolle Mitteilungen zur Geschichte
des Hauses Rothschild brachte und dabei auch über den eigentlichen
Hergang bei der Rettung des kurfürstlichen Vermögens authentischen
Aufschluß zu geben schien. Es waren dies die Memoiren von
Thomas Powell Buxton 224 . Sie brachten eine Unterredung mit
Nathan Mayer Rothschild (+ 1836), aus der wir bereits oben (S. 14f.)
einen Auszug zitiert haben. Am Schlüsse jener Unterredung heißt
es: „Ich (Buxton) vergaß zu erwähnen: daß bald nachdem M. Roth
schild nach England kam, Bonaparte in Deutschland einfiel ; „Der
Fürst von Hessen-Cassel“, sagte [Nathan Mayer] Rothschild, „gab
10*