Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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mußte  über  jede  bewirkte  Anschaffung  ein  Instrument  ausgefertigt
und  dem  Kurfürsten  eingehändigt  werden.  Und  zwar  drängte
dieser  besonders  in  der  ersten  Zeit  stark,  wenn  ein  solches
Dokument  infolge  der  Beschwerlichkeit  der  Hin-  und  Rückreise
nur  langsam  von  London  herbeigeschafft  werden  konnte  229 .  Über
diese  und  viele  andere  Vorsichtsmaßregeln  geben  die  Akten  reichlich ­
  Auskunft.  Über  die  wichtigste  Angelegenheit  aber,  die  Bergung
der  Millionen,  würde  sich  im  Rothschild-Archiv,  in  den  Archiven
zu  Marburg  und  auf  Carlshausen  nicht  ein  einziges  Dokument
gefunden  haben,  und  diese  Sache,  die  den  Mittelpunkt  des  ganzen
Finanzgebahrens  hätte  bilden  müssen,  würde  in  der  reichhaltigen
Korrespondenz  zwischen  Buderus  und  dem  Kurfürsten  niemals  mit
einer  Silbe  erwähnt  sein.
Nehmen  wir  aber  ein  Mal  an,  der  alte  Rothschild  habe
wirklich  die  Summe  von  600  000  £  oder  6  bis  7  Millionen  Gulden
zur  Aufbewahrung  erhalten,  so  mußte  dieselbe  entweder  in  Metall,
oder  in  Noten,  oder  in  Obligationen  und  Kupons,  oder  in  mehreren
dieser  Wertsorten  zugleich  bestanden  haben.  Daß  der  Kurfürst
eine  solche  Summe  in  Metall  oder  Noten,  d.  h.  brach  liegen  hatte,
wird  niemand  zugeben,  der  da  weiß,  daß  er  mit  seinen  Kapitalien
beinahe  wie  ein  kundiger  Bankier  in  lukrativer  Weise  zu  wirtschaften ­
  gewohnt  war.  Wir  erfahren  aber  auch  aus  Buderus’
Korrespondenz,  daß  zu  dem  Zeitpunkt,  wo  der  Kurfürst  außer
Landes  ging,  die  herrschaftlichen  Kassen  so  gut  wie  geleert  waren,
indem  kurz  zuvor  große  Zahlungen  geleistet  werden  mußten
(s.  o.  S.  96f).  Und  aus  Buderus’  Rechnungsbüchern  erfahren  wir
ferner,  daß  nur  zwei  kleine  Posten  aus  dem  Barbestand  der  Kassen
bei  Meyer  Amschel  deponiert  wurden,  nämlich  806  rf  10  Alb.  5  HL
aus  der  Kabinettskasse  und  8000  Kronentaler  aus  der  Kriegskasse.
Beide  Posten  wurden  noch  im  Laufe  des  Jahres  1807  von  Buderus
wieder  eingezogen  230 .  Es  würde  sich  also  bei  jener  Summe  nach
allem,  was  wir  wissen,  im  wesentlichen  um  Obligationen  und
Kupons  gehandelt  haben.  Gerade  die  Papiere  dieser  Gattung  aber
hatte  der  Kurfürst  in  solchem  Umfang  an  sich  gezogen,  daß  ein
derartiges  Depot  bei  Rothschild  ganz  unverständlich  erscheinen  muß.
Wir  haben  oben  gesehen,  daß  der  Kurfürst  3  Kisten  mit  Zinskupons ­
  und  6  Koffer  mit  Partialobligationen  gerettet  hatte.  Unter
den  14  Koffern  und  Kisten,-  die  Delbrück  von  Prag  nach  Olmütz
transportierte,  befanden  sich  die  6  Koffer  mit  Partial-  und  1  Koffer
            
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