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dieser Drang zur Talmudhochschule. Zwar wurde diese Studien
anstalt bald wieder verlassen, die Beschäftigung mit dem rabbinischen
Schrifttum aber wurde deshalb nicht aufgegeben. Während seines
ganzen Lebens war ihm die Erörterung religiöser Fragen und der
Umgang mit Thorakundigen ein Bedürfnis. Und die wohltätige Muße,
die ihm die Sabbat- und Feiertagsruhe gewährte, verbrachte er
vorzugsweise im geselligen Verkehr mit gelehrten Männern. Er
führte sie in sein gastfreies Haus ein und bewirtete sie gut. Auch
war seine Frömmigkeit nicht etwa von der Art, daß sie ihn zum
Kopfhänger gemacht hätte. Gerade seine Heiterkeit wird im Memor-
buch gerühmt. Auch besaß er geselliges Talent und verstand es
als Gastgeber die Schüchternen zu ermutigen, so daß keiner seiner
Gäste sich zurückgesetzt fühlte.
Daß Rothschild ein rechtschaffener Mann war, zeigt unsere
Darstellung mehrfach. Von besonderem Wert aber ist das Zeugnis
Lawätz’ über ihn, weil hier ein wahrheitsliebender Geschäftsmann
über den Geschäftsmann urteilt. Anfangs war Lawätz nicht etwa
mißtrauisch, wohl aber vorsichtig gegenüber Rothschild. Das ist
jeder Bankier bei großen Geldgeschäften. Als Lawätz aber Rothschild
vollends kennen gelernt hatte, da schrieb er am 15. August 1807
an Buderus: „Seine ganze Gemütsart verdient wirklich Vertrauen
und Achtung“, und damit ist alles gesagt.
Ich habe schon oben bemerkt, daß Treue im heutigen Sinn
bei den Beamten des 18. Jahrhunderts weder vorausgesetzt noch
geübt wurde. In dieser Beziehung war es damals in ganz Europa
schlimm bestellt und in Hessen-Kassel immer noch weniger schlimm
als anderwärts. Heute gilt es als ehrlos, wenn ein Beamter dienst
liche Verhältnisse zu seinem persönlichen Vorteil ausnutzt. Im
18. Jahrhundert war das anders. Die Beamten des Kurfürsten
nahmen für ihre Amtshandlungen Geschenke an, und der Kurfürst
wußte es. War ein Beamter besonders feinfühlend, wie der Kriegsrat
Knatz, so machte er dem Kurfürsten von jedem Einzelfall besondere
Mitteilung. Erst im Anfang des 19. Jahrhunderts bildet sich, und
zwar im Schoße der Beamten selbst, der Standpunkt heraus, daß
man für dienstliche Leistungen keine Geschenke annehmen darf.
Und Buderus, der Mann der alten Schule, kam als Präsident der
Rentkammer in Hanau im Jahre 1817 mit den vorgeschrittenen
Ansichten seines Kollegiums sogar in Konflikt. Wenn Rothschild
also die Beamten des Kurfürsten in sein Interesse zog, so tat er