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ln kurzer Zeit verdiente ich mit meinen 20 000 £ das Doppelte,
so daß ich 60 000 besaß. Mein Erfolg beruhte auf einem einzigen
Grundsätze. Ich sagte mir: ,Was ein anderer kann, das kann ich
auch, deshalb bin ich dem Mann mit den Mustern gewachsen und
ebenso allen anderen!“ Ich hatte noch einen weiteren Vorteil: ich
war ein Kaufmann aus dem Stegreif. Ich nahm alles mit und
schloß immer meinen Handel auf der Stelle ab.“ 20
Diese Selbstschilderung darf im wesentlichen als zutreffend
gelten, obgleich sie erst im Februar 1834 stattfand, 36 Jahre nach
dem Nathan Mayer nach England übergesiedelt war. Dort ange
langt, war er selbstverständlich darauf bedacht, nicht nur auf
eigene Hand ausgedehnte Geschäfte zu machen, sondern auch
das Frankfurter Mutterhaus in reichlichstem Maße mit englischen
Waren zu versorgen. Ich habe jedoch nur gelegentliche und sehr
unvollkommene Ermittlungen hierüber anstellen können. Zunächst
muß man es als selbstverständlich betrachten, daß Nathan Mayers
Warengeschäfte, wie er sie in jener Selbstschilderung darlegt, zum
guten Teil nach dem Festland gerichtet waren, denn nur auf diese
Weise ließ sich ein besonders hoher Gewinn erzielen. Meine
Notizen zeigen, daß er außer seinem Vater auch mit anderen
Festlandsfirmen, so in den Jahren 1802 und 1803 mit Sichel & Hildes
heimer in Frankfurt, direkten Geschäftsverkehr unterhielt. Seines
Vaters aber bediente er sich auch zur Vermittlung mit sonstigen
Plätzen. So empfing das Frankfurter Haus während der Monate
Mai bis August des Jahres 1803 eine Anzahl Kistentransporte,
die an Löb Hertz in Mainz, C. Fachmann & Co. in Brüssel, Jacob
Marius in Amsterdam, Veuve Jaion in Lyon und an verschiedene
andere französische Firmen weitergehen sollten.
Man muß annehmen, daß diese Waren ihren Weg über
einen deutschen Hafenplatz nahmen. Andere kamen über Dün
kirchen. Dort hatte sich zeitweilig Rothschilds Sohn Carl Mayer
eingerichtet, um den Eingang der von Nathan Mayer abgesandten
englischen Waren daselbst zu erleichtern und sie nach den An
gaben seines Vaters nach Frankfurt oder nach anderen deutschen
Plätzen weiter zu fördern 21 . Wieder andere Sendungen kamen
über Amsterdam. So wurde im Jahre 1809 oder 1810 eine Sendung
von Cambrics und Fancy (Modeartikel) im Betrag von £ 6023.16.0
an die Herren Gosch & Lotes in Amsterdam zur Disposition von
James Mayer, dem 1792 geborenen jüngsten Sohn Rothschilds,