Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

: VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft 
mittelgewerbe hier sich einfach die alte Zunftverfassung fort- 
sezt. Der Merkantilismus würde für sich allein solche Fragen 
kaum vor sein Forum gezogen haben. 
§ 9. Die Ursachen der neuen Erscheinungen. 
Bisher haben wir von dem unmittelbaren Verhältnis der 
Territorien zu den neuen Erscheinungen im Wirtschaftsleben, 
von ihrer Gewerbe- und Handelspolitik, gesprochen. Es kann 
aber auch eine mittelbare Einwirkung von jenen auf diese statt- 
gefunden haben. Über sie unterrichten wir uns, indem wir die 
allgemeinen Ursachen jener Erscheinungen, insbesondere der 
Ausbildung der Großbetriebe im Gewerbe und Handel und 
der neuen Formen des Großhandels, der Messen, Börsen, Ban- 
ken, festzustellen suchen. 
î Nach Büchers Auffassung ist, wie wir schon erwähnt haben!), 
„die Ausbildung der Volkswirtschaft im wesentlichen eine Frucht 
der politischen Zentralijation?), welche an der Wende des Mittel- 
1) S. oben S. 502. 
2) Wie früher schon (s. oben. S. 171), so hat Schmoller auch wie- 
der in seinen „Umrissen und Untersuchungen“, S. 60 Büchers Aus- 
führungen nicht richtig verstanden. Nach ihm liegt das Wesen der 
Bücherschen Stufentheorie darin, daß derselbe „die wirtschaftliche 
Organisation verschiedener Epochen unabhängig von Gemeinde, 
Territorium und Staat aus rein wirtschaftlichen Ursachen ableiten“ 
will. Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß Bücher durchaus nicht 
die Frage nach den Ursachen in den Vordergrund stellt; seine Absicht 
ist lediglich, die Etappen der wirtschaftlichen Entwickelung zu schildern. 
Wo er von Ursachen spricht, da geschieht es bloß zur Illustrierung, 
mehr nur nebenbei. Sodann aber zeigt die oben im Text mitgeteilte 
Stelle deutlich, daß Bücher wahrlich nicht alles aus rein wirtschaft- 
lichen Ursachen „ableiten“ will. Niemand ist weiter davon entfernt 
als er. Wenn man ihm einen Vorwurf hingsichtlich der Ableitung der 
Ursachen machen will, so wäre es vielmehr der, daß er die politischen 
Ursachen zu stark anschlägt. Ich habe mich in dieser Beziehung schon 
gegen seine Erklärung der Entstehung der Städtewesens ausge- 
sprochen. S. oben, „Theoriender wirtschaftlichen Entwickelung“', S.197. 
Im übrigen kann die vorsichtige Art, mit der Bücher sich über die 
wirtschaftlichen Momente als Ursachen äußert, anderen Autoren 
dringend zur Nachahmung empfohlen werden. S. oben S. 170. 
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