Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

aber  wirtschaftlich,  oder  noch  besser,  vom  Standpunkte  der  Konsumtion, ­
  des  Genusses,  zeigen  sie  keine  weitere  Verschiedenheit.
Grabein  rechtfertigt  das  Stillstehen  der  Progression  damit,  daß  in
jeder  Gesellschaft  höhere,  führende  Klassen  notwendig  sind,  deren
Lebenshaltung  höher  sein  muß,  weshalb  also  die  Einkommen  nicht
egalisiert  werden  dürfen.
Wenn  daher  Martello  aus  dem  Umstande,  daß  die  Progression
bei  einem  gewissen  Punkte  innehalten  muß,  folgert,  daß  die  Progression ­
  unmöglich  sei,  so  ist  dies  ebensosehr  Übertreibung,  wie  die
Behauptung,  daß  die  bisher  vorgekommenen  Progressionen  keine
Progressionen  waren.
Die  Furcht  vor  dem  progressiven  Steuerfuß  ist  leicht  damit
zu  besiegen,  daß  der  Steigerung  in  der  Weise  eine  Grenze  gesetzt
wird,  daß  parallel  mit  dem  progressiven  Steuerfuß  die  Kontingentierung ­
  der  Steuer  in  Anwendung  kommt.  Bei  einer  mäßigen
Steigerung  ist  der  Fall  nicht  denkbar,  daß  neben  kontingentierter
Steuersumme  der  progressive  Steuerschlüssel  eine  übermäßige  Quote
der  höheren  Einkommen  in  Beschlag  nehme.
Ferner  ist  es  ja  leicht  zu  beweisen,  daß  die  Zunahme  des
Steuerfußes  in  so  minimalem  Grade  eingerichtet  werden  kann,  daß
die  höchsten  Steuerfüße  in  einer  Höhe  erreicht  werden,  wo  die
tatsächlichen  Einkommensstufen  schon  längst  nicht  mehr  Schritt
halten,  jene  Stufen  in  Wirklichkeit  nicht  vorkommen.
Übrigens  wurde  der  Frage  des  progressiven  Steuerfußes  zu
große  Bedeutung  zugeschrieben.  Weder  vom  finanziellen,  noch  vom
"  sozialpolitischen  Gesichtspunkte  darf  ihm  zu  viel  Gewicht  beigelegt
werden.  Es  soll  damit  bloß  erreicht  werden,  daß  die  größeren
Einkommen  entsprechend  ihrer  größeren  Leistungsfähigkeit  in
stärkerem  Maße  in  Anspruch  genommen  werden.  Der  progressive
Steuerfuß  wird  mehr  als  ein  Symbol  zu  gelten  haben  und  als
solcher  kann  er  gute  Dienste  leisten.
14.  Jene  Bedenken,  welche  in  dem  Gefühle  wurzeln,  daß  der
progressive  Steuerfuß  zu  Mißbrauch  Anlaß  geben  könnte,  namentlich ­
  in  Zeiten  starker  demokratischer  Strömungen,  beruhen  auf  einem
nicht  bis  ans  Ende  verfolgten  Gedanken.  Solche  starke  Strömungen,
die  sich  gegen  die  großen  Einkommen  und  Vermögen  richten,
werden  die  progressive  Besteuerung  auch  dann  ins  Leben  rufen,
wenn  dieselbe  bisher  nicht  existierte,  ja  es  werden  —  wie  ja  die
neuesten  Gestaltungen  zur  Genüge  zeigen  —-  auch  weit  energischere
Waffen  gegen  die  Privilegien  des  Privateigentums  zur  Anwendung
kommen,  ja  das  Privateigentum  als  solches  vollständig  negiert  werden,
wenigstens  das  an  den  Produktionsmitteln  und  monopolistische
            
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