Full text : Finanzwissenschaft

VII.  Abschnitt.  Reduktion  und  Konversion  der  Staatsschulden.  649

die  Steuerträger.  Da  der  Staat  die  Deckung  des  Zinsenbedürfnisses
von  den  Steuerträgern  erhält,  so  wird  die  Konversion  in  dem  Falle,
als  die  Gläubiger  des  Staates  derselben  Klasse  angehören  wie  die
Steuerträger,  für  die  Betreffenden  wenigstens  als  Klasse  betrachtet,
wohl  eine  Minderung  des  Einkommens  bedeuten,  aber  gleichzeitig
eine  Minderung  der  Steuerlast,  der  Wegfall  der  Konversion  dagegen
wohl  ein  höheres  Einkommen,  aber  auch  eine  größere  Steuerlast.
Anders  freilich  gestalten  sich  die  Dinge,  wenn  die  Staatsgläubiger
zu  einer  anderen  Klasse  gehören,  als  die  Steuerträger.  Wenn  die
Staatsgläubiger  mehr  den  wohlhabenderen  Klassen  angehören,  die
Steuerträger  den  ärmeren  Klassen,  dann  wird  hier  ein  Interessenkonflikt ­
  eintreten ,  denn  die  den  wohlhabenderen  Klassen  angehörigen
  Gläubiger  werden  die  Konversion  bekämpfen,  die  den
ärmeren  Klassen  angehörigen  Steuerträger  werden  sie  verlangen.
Umgekehrt,  wenn  die  Staatsgläubiger  mehr  den  unteren  Klassen
angehören,  —  was  bei  Demokratisierung  der  Staatsschuld  nicht
ausgeschlossen  ist  —,  die  Steuerzahler  aber  den  oberen  Klassen,
dann  werden  jene  die  Konversion  bekämpfen,  diese  wünschen.  Unzweifelhaft ­
  ist  der  erste  Fall  der  häufigere,  daß  nämlich  die  oberen
Klassen  die  Gläubiger  sind,  die  unteren  Klassen  bloß  Steuerträger
sind.  Ein  Postulat  der  gesunden  Entwicklung  ist  natürlich,  daß
die  höheren  Klassen  durch  Einkommens-  und  Vermögenssteuer  die
entsprechende  Steuerlast  übernehmen,  daß  die  unteren  Klassen  in
wachsender  Zahl  Besitzer  von  Staatspapieren  werden,  wodurch  die
Solidarität  der  Gesellschaft  wächst  und  die  Gegensätze,  die  bei
Konversionen  offenbar  werden  können,  abnehmen.
Was  die  Verwendung  der  bei  Konversionen  gewonnenen  respektive ­
  ersparten  Summen  betrifft,  so  kann  dieselbe  eine  verschiedene
sein.  Dort,  wo  der  Steuerdruck  sehr  stark  ist,  wird  die  Erleichterung
der  Steuerlast  zweckmäßig  sein.  Doch  unterliegt  es  keinem  Zweifel,
daß  es  am  zweckmäßigsten  ist,  die  bei  der  Konversion  gewonnenen
Überschüsse  wieder  im  Interesse  des  Staatskredites  zu  verwenden.
Insofern  aber  der  Staat  in  der  schwierigen  Lage  ist,  daß  die  Staatsbedürfnisse ­
  nur  durch  neue  Emissionen  befriedigt  werden  können,
wird  das  bei  der  Konversion  erreichte  Ersparnis  für  diese  Anlehen
verwendet  werden.  Der  Staat  wird  durch  die  Konversion  die
Deckung  des  neuen  Zinsenbedürfnisses  sichern.  Am  zweckmäßigsten
ist  es  jedenfalls,  die  Ersparnisse  für  Tilgung  der  Staatsschuld  zu
verwenden.  In  manchen  Fällen  verschaffte  sich  der  Staat  Deckung
für  wichtige  Besonnen,  so  Österreich-Ungarn  für  die  Valutareform.
3.  Überblicken  wir  des  Nähern  die  Geschichte  der  wichtigsten
Konversionen,  so  begegnen  wir  in  England  der  ersten  Konversion  im
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.