Full text : Kapitalismus und Sozialismus

38

>  dem
beiter
egnete
t  man
rß  für
ilhelm
l  Karl
ire  geilhelm

:U  euch
:  denn
Seil  er
ig  bear ­
  wir
Löhne
!ld  als
hr  als
ir  doch
lbst  ist
Ob  ich
beiden
)u  den!
c  kann
So  ist
etreide
it  dort
iet  ich
rls  bei
ika  im
richt  so'
o  aus-Boden

gleiche
uf  vern,
  was
ert  ist,
:n  noch
bessere
Nilitär
fr  seht
ozialen

Verhältnissen,  unter  denen  jenes  erzeugt  wird.  Hätten  wir  in  Deutschland
eine  ebenso  spärliche  Bevölkerung,  keine  Militärlasten  u.  s.  w.,  dann  wäre
unser  Getreide  gerade  so  billig  wie  das  amerikaniM."  _, r ,
„Da  müssen  wir  also,"  fragte  Karl,  „erst  unsere  sozialen  Verhaltmsw
studieren,  um  zu  verstehen,  weshalb  mein  Hut  3  Mk.  gekostet  hat?  Das  ist
aber  ein  weiter  Weg!  Und  wie  sollen  wir  denn  das  anfangen?"
„Das  ist  freilich  nicht  so  einfach,"  bestätigte  ich,  „besonders  weil  unsere
jo  furchtbar  komplizierte  Welt  gar  nicht  zu  verstehen  ist,  wenn  man  nicht  ihre
Wirtschaft,  ihr  inneres  Räderwerk  begreift."
„Aber  da  drehen  wir  uns  ja  immer  nur  im  Kreis",  warf  Wilhelm  ern.
„Gerade  vorhin  hast  du  uns  gesagt,  die  Bildung  des  Wertes  sei  nur  aus  den
sozialen  Berhältnisse  zu  verstehen.  Jetzt  sagst  du  uns  wieder,  diese  könne
nian  nur  verstehen,  wenn  man  die  Wirtschaft  begreift.  Der  Wert  gehört  aber
doch  zur  Wirtschaft.  Auf  diese  Art  kommen  wir  gar  nicht  von  der  Stelle."
„Das  wollte  ich  gerade  auch  selber  sagen,  als  du  mich  unterbrachst",  erwiderte ­
  äch  ruhig  meinem  etwas  zornig  gewordenen  Freunde.  „Unsere
heutigen  sozialen  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  sind  viel  zu  komplizierl.
als  daß  man  sie  ohne  weiteres  untersuchen  und  verstehen  könnte.  Aber  es
geht  einem  ja  auch  ähnlich,  wenn  man  in  eine  moderne  große  Fabrik  tritt.
Da  kann  sich  der  Laie  noch  so  lange  umschauen,  er  wird  die  Zusammenhänge

nicht  begreifen."
„!Das  ist  wahr,"  bestätigte  Karl,  „wenn  man  in  unsere  Werkstatt  kommt
und  den  surrenden  Rädern,  stampfenden  Rollen,  den  ächzenden  Kränen  und
den  sausenden  Riemen  zusieht,  dann  wird  einem  ganz  wirr  im  Kopf:  obwohl
ich  dock  jetzt  schon  fast  drei  Jahre  in  der  Fabrik  beschäftigt  bin,  verstehe  rch
noch  immer  nicht  das  ganze  Werk.  Einiges  hat  mir  einmal  der  „rote  Max"
expliziert:  aber  jetzt  ist  er  schon  lange  nicht  mehr  dazugekommen."
„Nun,  und  wie  hat  er  das  gemacht?"  fragte  ich.
„Er  hat  mir  gezeigt,"  antwortete  Karl,  „mit  welchen  Maschinen  die
Fabrik  seinerzeit  begonnen  hat.  Das  sind  natürlich  die  notwendigsten;  seither
weiß  ich  wenigstens,  was  das  Wesentlichste  und  was  als  mehr  nebensächlich
anzusehen  ist.  Aber  tue  einzelnen  Maschinen  verstehe  ich  noch  immer  nicht.
Da  versprach  mir  Max,  einmal  mit  mir  in  die  „Urania"  *  *)  zu  gehen  und
mir  dort  die  einfachen  Modelle  zu  zeigen.  Er  meinte,  dann  werde  ich  auch  die
komplizierten  Dkaschinen  besser  und  leichter  verstehen."
„Da  hat  er  auch  ganz  recht  gehabt",  bestätigte  ich.  „Sind  doch  auch  die
heutigen  komplizierten  Maschinen  aus  so  einfachen  hervorgegangen.  So  wie
mir  nun  jene  einfachen  Formen  zuerst  untersuchen  und  verstehen  müssen,  bevor ­
  wir  an  die  komplizierten  herangehen  dürfen,  so  müssen  wir  auch  zuerst
die  einfachen  Wirtschaftsverhältnisse  und  sozialen  Zustände  unserer  Vorfahren
studieren,  wenn  wir  die  Welt  begreifen  wollen,  in  der  wir  heute  leben."

„Nun,  da  nehmen  wir  wohl  am  besten  die  Zustände,  aus  denen  mein
Großvater  hervorgegangen  ist,"  schlug  Wilhelm  vor.  „Die  waren  doch  einfach
genug.  Ich  habe  sie  euch  ja  schon  einmal  geschildert."
„Warum  hältst  du  die  eigentlich  für  so  besonders  einfach?"  fragte  ich.
„Erinnere  dich  doch  nur,"  erwiderte  Wilhelm,  „wie  einförmig  damals
das  Leben  gewesen  sein  mutz.  Den  hörigen  Bauern  floß  ein  Tag  hin  wie
*)  Volkstümliches,  wissenschaftliches  Institut  in  Berlin.
•  '  3
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.