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infolgedessen fehlte ihnen vielleicht der Ehrgeiz zu weiterem Auf
stieg. Alles das ist gewiß nicht unwahrscheinlich. Aber was wird
damit für unsere Erkenntnis gewonnen?
Jedenfalls ist die Deduktion Le Play’s, wenn auch durchaus
plausibel, so doch kaum besser begründet, als die von uns auf
gestellten Hypothesen. Es fehlt an jeder wirklichen Beweisführung.
Die von uns hier berührten Momente, die doch gewiß zur Erklärung
der von Le Play festgestellten Tatsachen auch in Betracht kommen,
sind nicht einmal erwähnt. Nur zwei Momente, die besonders in die
Augen springen, sind von Le Play besprochen; von ihnen glaubt er,
daß sie in einem Kausalitätsverhältnis zueinander stehen müssen.
Wenn wir wenigstens bei Le Play noch irgendwie geartete Unter
suchungen über die Tragweite der einzelnen Momente fänden, so
könnte man sagen, daß ihm nach reiflicher Überlegung ein be
stimmter Kausalzusammenhang als der richtige erschien. Solche
Untersuchungen finden sich aber nicht; vielmehr geht aus seiner
ganzen Ausdrucksweise in unserem Beispiel mit einem hohen Grad
von Wahrscheinlichkeit hervor, daß andere Momente für ihn über
haupt nicht in Betracht kamen. Jedenfalls gab ihm seine eigene
Methode keine Mittel an die Hand, um die einzelnen Faktoren von
einander zu sondern und ihre Tragweite zu messen. Dies ist aber
nur ein Beweis ihrer Unvollkommenheit, nicht ein Beweis der Un
möglichkeit, sie zu vervollkommnen.
So sehen wir denn, daß Le Play’s Methode zwar einen wesent
lichen Fortschritt in der Entwicklung der wissenschaftlichen Technik
gebracht, daß sie aber dasjenige nicht gehalten hat, was er sich
selbst und der Welt versprochen hatte. Er sah das von Comte
verheißene Land, aber zu fern und zu undeutlich, als daß er im
stande gewesen wäre, seine Jünger zur Erreichung dieses Landes
anzuleiten.