Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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infolgedessen fehlte ihnen vielleicht der Ehrgeiz zu weiterem Auf 
stieg. Alles das ist gewiß nicht unwahrscheinlich. Aber was wird 
damit für unsere Erkenntnis gewonnen? 
Jedenfalls ist die Deduktion Le Play’s, wenn auch durchaus 
plausibel, so doch kaum besser begründet, als die von uns auf 
gestellten Hypothesen. Es fehlt an jeder wirklichen Beweisführung. 
Die von uns hier berührten Momente, die doch gewiß zur Erklärung 
der von Le Play festgestellten Tatsachen auch in Betracht kommen, 
sind nicht einmal erwähnt. Nur zwei Momente, die besonders in die 
Augen springen, sind von Le Play besprochen; von ihnen glaubt er, 
daß sie in einem Kausalitätsverhältnis zueinander stehen müssen. 
Wenn wir wenigstens bei Le Play noch irgendwie geartete Unter 
suchungen über die Tragweite der einzelnen Momente fänden, so 
könnte man sagen, daß ihm nach reiflicher Überlegung ein be 
stimmter Kausalzusammenhang als der richtige erschien. Solche 
Untersuchungen finden sich aber nicht; vielmehr geht aus seiner 
ganzen Ausdrucksweise in unserem Beispiel mit einem hohen Grad 
von Wahrscheinlichkeit hervor, daß andere Momente für ihn über 
haupt nicht in Betracht kamen. Jedenfalls gab ihm seine eigene 
Methode keine Mittel an die Hand, um die einzelnen Faktoren von 
einander zu sondern und ihre Tragweite zu messen. Dies ist aber 
nur ein Beweis ihrer Unvollkommenheit, nicht ein Beweis der Un 
möglichkeit, sie zu vervollkommnen. 
So sehen wir denn, daß Le Play’s Methode zwar einen wesent 
lichen Fortschritt in der Entwicklung der wissenschaftlichen Technik 
gebracht, daß sie aber dasjenige nicht gehalten hat, was er sich 
selbst und der Welt versprochen hatte. Er sah das von Comte 
verheißene Land, aber zu fern und zu undeutlich, als daß er im 
stande gewesen wäre, seine Jünger zur Erreichung dieses Landes 
anzuleiten.
	        
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