Full text : München als Industriestadt

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Leitung  dem  etwa  10  km  entfernten  Heilbronn  eine  mittels
drei  Turbinen  der  Wasserkraft  des  Neckar  entnommene  Energie
bis  zu  900  Pferdestärken  zugeführt,  sodann  innerhalb  der  Stadt
durch  Kabel  unterirdisch  nach  den  Transformatoren  gebracht
und  von  da  zur  Abgabe  von  Licht  und  Kraft  verteilt.
Als  alleinige  Abnehmerin  der  Elektrizität  könnte  in  München ­
  nur  die  Industrie  in  Frage  kommen,  für  deren  Fabrikbetrieb ­
  Kraftschwankungen  keinen  Nachteil  bedeuten.  Gerade
diese  letztere  Einschränkung  bildet  den  Hauptgrund  dafür,  daß
sich  hier,  wie  in  so  seltenen  Fällen,  zwischen  Staat  und  Privatindustrie ­
  eine  völlige  Interessengemeinschaft'in  der  Ausnützung
der  Wasserkräfte  erzielen  läßt,  da  der  Staat  erst  dann  die
billigsten  Einheitspreise  gibt,  wenn  die  Grenze  der  Wirtschaftlichkeit ­
  erreicht  wird.  Im  übrigen  wird  der  Ausbau  der
Wasserkräfte  auch  nicht  die  Grundlagen  der  bayerischen  Industrie ­
  umgestalten,  vielmehr  nur  für  einzelne  Industriezweige
von  Vorteil  sein,  deren  Entwicklung  bis  jetzt  als  ausgeschlossen
zu  betrachten  war.
Der  derzeitige  Oberbürgermeister  der  Stadt  München,  Geheimer ­
  Hofrat  Dr.  von  Borscht,  spricht  sich  über  die  Zukunft
Münchens  dahin  aus,  daß  neben  der  Schwierigkeit,  sich  heute
auf  einem  bisher  nicht  gepflegten  Gebiete  in  die  erste  Reihe
zu  stellen,  für  München  noch  dazu  komme,  daß  es  als  die  südlichste ­
  deutsche  Großstadt  kein  Hinterland  für  den  Absatz
im  großen  Stil  besitze  und  daß  wegen  der  hohen  Transportkosten ­
  sowohl  für  den'  Bezug  des  Rohmaterials  als  des  fertigen
Produkts  die  Spesen  in  München  viel  zu  hoch  seien.  „Eine
Änderung  in  diesen  Verhältnissen  könnte  vielleicht  die  Ausnützung ­
  der  weißen  Kohle  und  der  Wasserkräfte  mit  sich
bringen,  die  in  den  bayerischen  Alpen,  also  in  unmittelbarer
Nähe  Münchens,  in  einer  Fülle  vorhanden  sind,  die  in  Deutschland ­
  ihresgleichen  nicht  haben.  Wäre  die  Stadt  München  in
der  Lage,  elektrische  Energie  aus  diesen  Wasserkräften  der
Industrie  zu  billigstem  Preise  auf  billigem  Gelände  zur  Verfügung ­
  zu  stellen,  so  könnten  damit  wahrscheinlich  die  mannigfachen ­
  wirtschaftlichen  Hindernisse,  die  der  Entwicklung
Münchens  zur  Industriestadt  entgegenstehn,  beseitigt  werden.
Daß  eine  solche  Beseitigung  möglich  ist,  beweist  das  Unter ­
            
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