Full text : München als Industriestadt

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fördernd  auch  für  die  Entwicklung  dieses  Industriezweiges  in
München  und  Bayern  überhaupt  wurde.  Heute  kann  die  kgl.
bayr.  Hofblumen-,  Blätter-  und  Pflanzenfabrik
J.  v.  Heckei  in  München  auf  allen  Gebieten  der  Kunstblumenindustrie ­
  voll  und  ganz  die  Konkurrenz  mit  Paris  aufnehmen ­
  und  mit  dieser  dominierend  auf  dem  Weltmärkte  auftreten.
  Sie  ist  von  den  vielen  in  München  im  Laufe  der  Jahrzehnte ­
  entstandenen  Blumenindustrien  weitaus,  die  größte  und
bedeutendste  und  wir  können  bei  weiterer  Betrachtung  ihrer
Produktions-  und  Arbeiterverhältnisse  die  allgemeine  Lage  der
Münchener  Kunstblumenindustrie  ersehen.
Die  Firma  müßte  man  eigentlich  als  Kunstanstalt  bezeichnen, ­
  weil  kunstgewerbliche  Arbeit  geleistet  wird:  bei  arbeitgeteiltem ­
  Handbetrieb,  soweit  die  Herstellung  der  Halbfabrikate ­
  in  Betracht  kommt,  bei  rein  individueller,  kunstfertiger
Einzelhandarbeit,  soweit  sie  die  Fertigstellung  und  Ausarbeitung ­
  eines  Artikels  betrifft.  Diese  Arbeit  liegt  hauptsächlich  in
den  geschickten  Händen  von  Frauen  und  Mädchen,  während  die
elektrisch  betriebenen  Stanzmaschinen  und  sonstigen  kleinen
Werk-  und  Hilfsmaschinen  von  männlichen  Arbeitern  bedient
werden.  In  den  Betriebsräumen  sind  30  männliche,  130  weibliche ­
  und  20  jugendliche  (unter  16  Jahren)  Arbeitskräfte  beschäftigt. ­
  Volkswirtschaftlich  aber  von  großem  Werte  ist  das
Eindringen  der  ganzen  Industrie  in  alle  Bevölkerungsschichten,
was  sich  in  der  großen  Zahl  der  Heimarbeiterinnen  äußert.
Etwa  300  solcher  hausarbeitenden  Frauen  und  Mädchen  zählen
zu  den  ständigen  Produzenten,  denen  man  teils  die  ganze
Fertigverarbeitung,  teils  nur  die  Weiterverarbeitung  des  ihnen
gegebenen  Materials  überläßt.  Und  trotzdem  hat  man  heute,
nachdem  die  Kunst  „Blumen  zu  machen“  in  die  Münchener
Bevölkerungsschichten  tief  eingedrungen  ist  und  sich  sehr  viele
Leute  nur  durch  diese  Beschäftigung  oder  durch  die  Stellung
eines  „Zwischenmeisters“  ernähren,  stets  Mangel  an  tüchtigen
Arbeitskräften.  Früher  lediglich  ein  konsumorientierter  Industriezweig, ­
  muß'  der  Betrieb  heute  auf  einen  tüchtigen  Arbeiterstamm ­
  sehen,  was  sehr  schwer  wird,  obwohl  tausende  geschickter ­
  Hände  vorhanden  sind,  welche  die  Herstellung  künstlicher ­
  Blumen  bis  ins  Kleinste  beherrschen.  Es  liegt  einmal
            
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