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Einen solchen Verzicht auf seinen eigenen Vorteil würde Deutschland
vielleicht nicht einmal einem verbündeten Staate gewähren können, gewiß
aber nicht einem für uns nur peinlich neutral verbliebenen. Auch ist es
nicht gut möglich, daß man in Chile ein deutsches Stickstoffmonopol als
gegen den dortigen Staat gerichtet ansehen sollte, zumal ja auch in
Zukunft ein gar nicht unbedeutender Bezug von Chilesalpeter bis auf
weiteres immer noch stattfinden wird, also von einem Ausschluß des
Chilesalpeters vom deutschen Markt nicht die Rede ist. — Setzen wir
einmal den Fall, daß in Chile größere Kalisalzlager entdeckt werden
würden. Meint jemand, daß man dort aus Freundschaft für Deutsch
land auf die Ausbeutung derselben verzichten würde, um Deutschlands
Einnahmen aus feinen Kaliwerken nicht zu schmälern, und daß man
nicht vielmehr die aufkommende Industrie durch jede zweckmäßig er
scheinende Gesetzgebung zum Erstarken gegenüber dem Wettbewerb des
Auslandes bringen würde? —
Die Monopol- Wenn hier also Bedenken nicht zwingend er-
verwaltung. scheinen, so mag es nach anderer Richtung von
Nutzen sein, zu überlegen, welche Ausdehnung die deutsche Stickstoff
industrie sehr leicht in nicht allzu ferner Zukunft nehmen könnte, und
wie notwendig es daher ist, daß das Reich an den dabei in Aussicht
stehenden großen Gewinnen zum allgemeinen Nutzen sich seinen Anteil
sichert. Allerdings sei ganz besonders hervorgehoben, daß es von aller
größter Bedeutung sein wird, bei Einrichtung einer solchen Monopolver
waltung dem Industriellen und dem Kaufmann ebenso wie dem Landwirt
seinen Platz zu sichern, und zwar den Besten aus jedem Berufe, und auch
sonst nicht nach Prüfungen, Rang und Würden, sondern nach organisato
rischer .Leistungsfähigkeit die maßgebenden Stellen dabei zu besetzen.
Eine Bevorzugung der Tüchtigsten würde unumgänglich sein, nicht ein
Aufrücken nach Zahl der Dienstjahre. Was bei uns in Heer und Flotte
möglich ist, sollte auch in einer derartigen Verwaltung sich durchsetzen
lassen, die ohne eine ziemlich weitgehende Beweglichkeit und Selb
ständigkeit nicht zu höchsten Erfolgen gelangen kann.
Zukunftsaussichten. Um auf die Aussichten, welche sich dem deut
schen Auslandshandel mit Stickstoffdüngern in den nächsten zwei Jahr
zehnten nach dem Kriege erschließen können, näher einzugehen, verlohnt
cs sich zunächst darüber Klarheit zu gewinnen, daß vor dem Kriege Bel
gien sich mit Frankreich iin Wettbewerb um die dritte Stelle im Chile-