Full text: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Neckarsulm und der Neckarau auf dem linken Neckarufer seitens eines bis dahin un 
bekannten Unternehmers ein Bohrloch niedergebracht werde. Es verlautete fer 
ner, daß das dortige Gebiet bereits gepachtet worden sei. Diese Nachricht, 
welche der Wachsamkeit des Feldschntzpersonals zu verdanken war, war überaus 
wichtig, denn im Falle einer Mutung durch den fremden Unternehmer ging ge 
rade das zwischen dem städtischen Bergwerkseigentum und dem staatlichen Berg 
werk Neckarsnlm noch freiliegende Feld verloren. Als Unternehmer wurde bald 
der hessische Freiherr Perglas von Bensheim ermittelt, neben welchem sich nach 
einiger Zeit auch der badische „Verein chemischer Fabriken" gleichfalls auf der 
selben Basis betätigte. Gegenüber dieser Sachlage ergab sich für die Stadt 
eine nicht unbedenkliche Gefahr und nur ein entschlossenes und schnelles Vorgehen 
konnte dieselbe abwenden. Sofort wurde der westfälische Bohrnnternehmer 
Brattig abermals für die Stadt verpflichtet und um diesem ein erhöhtes Inter 
esse an den Bohrungen zu verleihen, wurde Brattig eine Prämie von 1000 Mk. 
für früheres Fündigwerden als die beiden Konkurrenten zugesichert. Zwei Mo 
nate währten die anstrengenden und aufregenden, Tag und Nacht dauernden 
Bohrarbeiten, bis es am 14. August vormittags 10 1 / 2 Uhr der Stadt zuerst gelang, 
Salz zu crbohren. Die sogleich von der Stadt telegraphisch beim Bergamt in 
Stuttgart eingelegte Mutung traf nur wenige Stunden vor der des „Vereins 
der chemischen Fabriken" ein; wenige Tage später folgte Freiherr von Perglas. 
Um die Mutung des letzteren bewarben sich bald die Stadt und der „Verein 
chemischer Fabriken" und bei der Wichtigkeit dieser Mutung für die Stadt, die 
sonst leicht von einem großen Teil des Neckarufers abgedrängt worden wäre, 
entschloß sich die Stadt, zur Erwerbung dieser Mutung, wofür Freiherr von 
Perglas durch Gewinnbeteiligung am späteren Erlös entschädigt wurde. Weiter 
gelang es der Stadt, ans der Grundlage eines Vertrages das Bohrloch des 
„Vereins chemischer Fabriken" in Besitz zu bekommen, wofür die Gesellschaft 
andere für sie geeignete Salzfelder zur Abrundung des eigenen Bestandes als 
Entschädigung erhielt. Aehnlich führten mit dem württembergischen Staat an 
geknüpfte Verhandlungen zu einer Verständigung hinsichtlich der Neckarsulmer 
Grenze. Um nicht erneuten Schwierigkeiten entgegenzugehen, entschloß sich 
die Stadt sogleich zu einer dritten Bohrung, die am 7. Oktober 1882 erfolg 
reich wurde. Auf diese Weise hatte sich die Stadt das gesamte Bergwerkseigen 
tum zwischen Heilbronn und Neckarsnlm gesichert. 
Damit hatten jedoch die Salzbohrungen keineswegs ihren Abschluß gefun 
den. Eine Lanffener Gesellschaft, die vorher bei Bückingen ohne Ergebnis nach 
Salz gebohrt hatte, faßte Ende 1882 den Plan, bei Neckargartach neue Bohr 
ungen zu versuchen. Die Gesellschaft hatte hierfür den bisherigen Heilbronner 
Bohrnnternehmer Brattig gewonnen, obwohl die Stadt selbst noch an diesen 
Unternehmer gebunden war. Um der Stadt jede Schwierigkeit aus diesem Ber 
tragsverhältnis zu ersparen, schaffte der Gemeinderat Lichtenberger dadurch einen 
Ausweg, daß er für seine Rechnung privatim Bohrungen mit einem anderen 
Bohrnnternehmer vornehmen ließ. Hierfür wurde der Bohrnnternehmer Schä- 
fermeyer, der spätere Gründer der Jagstfelder Bohrgesellschaft, gewonnen. Nach 
getroffenen Vereinbarungen trat Gemeinderat Lichtenberger etwaige Salzfunde 
an die Stadt ab, und zwar gegen Erstattung der Selbstkosten. Diese von 
Lichtenberger veranlaßte Bohrung am Böllingerbach wurde mit außergewöhn 
lichem Erfolg bereits am 19. Februar 1883 ans Steinsalz in einer Tiefe von
	        
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