Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

94

Die  Sole  von  Clemenshall  ist  farblos,  wasserhell,  beim  Kochen  tritt  nnr
schwache  Trübung  ein.
Gegenwärtig  arbeitet  die  Saline  Clemenshall  mit  fünf  Siedepfannen,  die
zusammen  510  qm  Pfannenfläche  besitzen.  Zum  Trocknen  des  Salzes  stehen
362  qm  Pfannenfläche  zur  Verfügung.  Die  Saline  steht  in  enger  Betriebsgemeinschaft ­
  mit  der  benachbarten  Kgl.  Saline  Friedrichshall.
9-  Kapitel.
Die  Kgl.  uiürtt.  Kaiine  Hall.
Die  Geschichte  der  Saline  zu  Schwäbisch-Hall  verliert  sich  bis  weit  in  das
Mittelalter.  Die  mehrfach  anzutreffende  Vermutung,  daß  die  Römer  bereits  die
Salzquellen  von  Hall  benutzten,  ist  durch  Urkunden  nicht  zu  belegen.  Wohl  die
älteste,  uns  bekannte  Urkunde  über  die  Saline  zu  Hall  ist  die  vom  Jahre  1231,
in  welchem  Dokument  König  Heinrich  VII.  dem  Kloster  Denkendorf  einen
Siede-Anteil  geschenkweise  zuspricht.  Die  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  so  oft
in  der  Öffentlichkeit  besprochenen  Rechtsverhältnisse  der  Saline  Hall,  auf  die
wir  an  andrer  Stelle  besonders  eingehen  werden,  haben  ihren  Ausgang  bereits
im  14.  Jahrhundert  genommen  Z.  Vom  Jahre  1306  wissen  wir,  daß  die  Salzquelle ­
  samt  dem  umliegenden  Grund  und  Boden,  dem  Hcial,  durch  eine  Besitzvereinigung ­
  für  ewige  Zeiten  in  111  Besitzteile  geteilt  wurde.  Die  Besitzer  der
Salzquelle,  welche  der  Stadt  ihren  Namen  gab,  gehörten  hauptsächlich  dem
Stadt-  und  Landadel  von  Hall  an,  auch  waren  einige  Klöster  an  dem  Besitz
beteiligt.  Die  Besitzer  führten  den  Titel  die  „Herren  vüm  Grund  und  Boden
des  Haals".  Der  Besitzanteil  umfaßte  ein  Fuder  zu  20  Eimern;  ein  Eimer
faßte  30  Maß.  In  den  111  vorhandenen,  gleich  großen  und  geeichten  Salzpfannen ­
  mußte  jeder  Siedeberechtigte  zu  gleicher  Zeit  zu  sieden  anfangen  und
aufhören.  Die  eigentliche  Siedearbeit  wurde  von  angestellten  Siedeknechten  besorgt. ­
  Ueber  die  Namen  der  ältesten  Besitzer  sind  wir  leider  nicht  mehr  unterrichtet, ­
  da  die  betreffenden  Akten  vermutlich  in  der  großen  Feuersbrnnst  des
Jahres  1376  zu  Hall  verloren  gegangen  sind.  Der  Betrieb  mit  den  Siedeknechten ­
  muß  sich  als  nicht  sehr  wirtschaftlich  erwiesen  haben,  denn  im  14.  Jahrhundert ­
  begann  sich  ein  Lehnsystem  zu  entwickeln,  nach  welchen:  Grund  und
Boden  im  Besitz  der  „Herren"  blieb,  während  die  Salzpfannen  Bürgern  zur
Nutzung  in  Erbpacht  gegeben  wurden.  Als  Entschädigung  war  eine  bestimmte
Geldsumme  zu  zahlen,  auch  mußte  alljährlich  eine  bestimmte  Menge  Küchenoder ­
  Tafelsalz,  die  Hofschilpe,  entrichtet  werden.  Es  scheint,  daß  unter  den
„Herren"  dennoch  von  Zeit  zu  Zeit  ein  Besitzwechsel  vor  sich,  ging;  ein  aus
dem  Jahre  1496  vorhandenes  Brunnenbau-Protokoll,  welches  ein  Verzeichnis
aller  damaligen  Besitzer  der  Siedepfannen  enthält,  scheint  diese  Annahme  zu
rechtfertigen.  Der  Ertrag  war  für  den  Lehnherrn  meist  sehr  gering  und  betrug
im  14.  Jahrhundert  kaum  einige  Gulden.  Später  änderte  sich  das.  In  der
Zeit  von  1478  bis  1529  war  das  Verhältnis  des  Lehnsertrages  zum  Erbertrage ­
  wie  6  zu  5,  von  1531  bis  1584  wie  5  zu  7  und  von  1548  bis  zum
19.  Jahrhundert  etwa  wie  1  zu  2.
1)  C.  F.  Hufnagel,  Beleuchtung  der  in  Ansehung  der  Saline  zu  Schwäbisch-Hall
  bestehenden  Rechtsverhältnisse.  Tübingen  1827,  S.  4.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.