Full text : Die deutsche Ölmüllerei

Die  Steilung  der  Ölmüllerei  im  Rahmen  des  deutschen  Wirtschaftslebens.  15
der  Konsum  der  Pflanzenschmieröle  ganz  bedeutend  eingedämmt. ­

Neben  dem  Rüböl  finden  in  Deutschland  als  Schmier-  und
Brennöle  von  vegetabilischen  Ölen  noch  das  Rizinus-,  Senf-,
Erdnuß-  und  Baumwollsamenöl  Verwendung.
In  immer  steigendem  Maße  werden  die  pflanzlichen  Öle
seit  der  zweiten  Hälfte  des  vorigen  Jahrhunderts  in  den  verschiedensten ­
  Industriezweigen  als  Rohmaterial  verwendet.  An
weitaus  erster  Stelle  steht  da  der  Konsum  der  Seifenindustrie.
Bis  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  war  in  Deutschland  fast
das  einzige  Ausgangsmaterial  der  Seifenfabrikation  der  Talg.  Im
Laufe  des  dritten  und  vierten  Jahrzehntes  findet  das  Rohmaterialgebiet ­
  dieses  Gewerbezweiges  eine  bedeutende  Erweiterung.
Baumöl,  Leinöl,  Leindotteröl,  Rüböl,  Palmkernöl  und  Kokosöl
finden  in  der  Seifenindustrie  vermehrte  Verwendung 12 ),  und
heute  haben  wir  in  der  Seifenindustrie  die  Hauptabnehmerin  der
deutschen  Ölmüllerei,  und  zwar  wird  in  ihr  ein  großer  Teil  fast
aller  in  Deutschland  hergestellten  Arten  vegetabilischer  Öle  verwertet. ­

Schon  seit  dem  Mittelalter  ist  die  Verwendung  der  trocknenden ­
  und  halbtrocknenden  Öle  zur  Herstellung  von  Firnissen  und
Lacken  bekannt  und  eingeführt,  und  heute  werden  alljährlich  von
diesen  Industriezweigen  gewaltige  Mengen  vegetabilischer  Öle;
und  zwar  vornehmlich  von  Leinöl,  verarbeitet.
Auch  die  Linoleumindustrie  ist  eine  bedeutende  Abnehmerin
der  deutschen  Ölmüllerei,  stellt  sie  doch  aus  dem  Leinöl  das
Linoxyn,  ihren  wichtigsten  Rohstoff,  her.
Weitere  Mengen  pflanzlicher  Öle  finden  Absatz  in  der
Pharmazie  und  Kosmetik  (Senföl,  Mohnöl,  Rizinusöl,  Krotonöl),
in  der  Kautschukindustrie  (aus  Rüböl  wird  künstlicher  Kautschuk ­
  hergestellt),  in  der  Textilindustrie  (Rizinusöl  als  Wollspicköl ­
  und  Türkischrotöl),  in  der  Kerzenindustrie  (Kokosöl)
und  vielen  anderen  Industriezweigen  mehr,  auf  die  im  einzelnen
einzugehen  jedoch  zu  weit  führen  würde.
Ein  Export  von  in  Deutschland  hergestellten  Ölen  findet  in
größerem  Umfange  heute  nur  bei  Palmkernöl  satt 13 ),  immerhin
la )  cf.  Riemerschmid,  Die  deutsche  Seifenindustrie.  München  1910,
S.  25,  aber  auch  die  Anm.  16  auf  S.  53/54  dieser  Abhandlung.
13 )  ln  den  früheren  Jahrzehnten  fand  aus  Deutschland  ein  ziemlich
bedeutender  Rübölexport  statt.  Mit  dem  Rückgang  des  Rübölkonsums
            
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