Deutsche Wasserstraßenpolitik, 365
in Angriff genommen worden, Diese Bauten durchzuführen, muß trotz
der finanziellen Schwierigkeiten gelingen, Gerade wie die Tschecho-
slowakei und die Schweiz seit Jahren danach streben, durch leistungs-
fähige Wasserstraßen nach der Elbe, Oder und Donau, bzw. zum Rhein
und zur Rhone ihren Verkehr mit den Seehäfen zu verbessern und zu
verbilligen, glauben auch Württemberg und Bayern durch die erwähn-
ten Wasserstraßen nach den Rheinmündungshäfen und dem Ruhrgebiet
ihre Volkswirtschaft fördern zu können, Als weitere, gleich wichtige
Kanalverbindung sei noch der Hansakanal erwähnt, der zwischen dem
Ruhrgebiet und den deutschen Nordseehäfen die kürzeste Verbindung
schaffen, den zwischen diesen Gebieten bestehenden gewaltigen Güter-
verkehr verbilligen und vor allem der Ruhrkohle in den Seehäfen den
Wettbewerb mit der ausländischen Kohle erleichtern soll,
Darüber hinaus wird von beteiligten Kreisen der Bau zahlreicher
weiterer Wasserstraßen betrieben. Erwähnt sei hier nur der Ausbau
des Oberrheins von Straßburg bis Basel und weiter bis zum Bodensee,
mit dem die Gewinnung bedeutender Wasserkräfte verbunden sein
würde; die Kanalisierung der Mosel, die den regen Güterverkehr des
Ruhrgebietes mit Lothringen und dem Saargebiet erleichtern soll; der
Rhein-Schelde-Kanal, der im Versailler Vertrag vorgesehen wurde; ein
Kanal von Kosel bis in das oberschlesische Kohlengebiet, dessen Absatz
dann durch Fortfall erheblicher Eisenbahnanschlußfrachten erleichtert
würde; ferner die Verbindung der Donau mit dem Main und dem Neckar,
Alle diese Pläne werden jedoch nur zur Durchführung kommen können,
wenn sich bei eingehenden Berechnungen der zu erwartenden Ein-
nahmen und Ausnahmen ergibt, daß es sich um gewinnbringende Unter-
nehmungen handelt, Da dies namentlich von dem Verkehr abhängen
wird, den die Kanäle erwarten können, wird eingehend untersucht
werden müssen, wie sich die Güterbewegung und die Frachtenlage
in Deutschland gestalten wird, Dabei wird auch zu berücksichtigen
sein, in welchem Maße der fortschreitende Ausbau von Wasserkräften
in Deutschland sowie die sich weiter ausdehnende Fernübertragung
elektrischer Energie die Kohlentransporte einschränken wird, nach
welchen Richtungen sich die Absatzgebiete der englischen Kohlen
sowie der Kohlen im Ruhr- und Saargebiet und in Oberschlesien ent-
wickeln werden, sowie welche Wege der deutsche Außenhandel ein-
schlagen wird. Die wieder zunehmende Bevölkerung Deutschlands und
die voraussichtlich noch stärker anwachsende gewerbliche Tätigkeit
werden jedoch dazu zwingen, auch das Verkehrsnetz leistungsfähiger zu
gestalten. Die Wasserstraßen als besonders für Massengüter geeignete
Beförderungsmittel werden dazu das Bestreben unterstützen können,
durch eine Dezentralisierung der Übervölkerung der großen deutschen