Full text : Der Pommersche Landbund

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nicht  ernst  genug  genommen  hat.  (Zuruf:  Heute  noch!)  Das  inag  auch
heute  noch  zutreffen.  Darum  haben  wir  die  Regierung  versucht,  zu  dieser
Konferenz  Vertreter  zu  entsenden,  damit  sie  hört,  was  die  Kollegen  selbst
dazu  sagen.  Es  ist  damals  festgestellt,  welche  Verbindung  zwischen  dem
Militär  und  dem  Pommerschen  Landbund  besteht;  das  Material  liegt  der
Regierung  vor.
Von  Wangenheim  setzte  seinen  Sohn  in  die  Landwirtschaftskammer  in
Stettin  als  Generaldirektor.  In  dieser  Landwirtschaftskammer  in  Pommern
wurde  eine  skrupellose  Agitation  gegen  die  Regierung  betrieben.  (Zuruf:
Heute  noch!)  Ich  nehme  es  einer  Oppositionspartei,  wie  den  Deutsch-Nationalen, ­
  nicht  übel,  wenn  sie  Opposition  treibt,  aber  wir  verlangen  von  der
heutigen  Regierung,  daß  diese  Leute  mit  demselben  Maße  gemessen  werden,
das  sie  früher  gegen  Andersdenkende  anlegten.  Früher  durfte  in  Preußen-Deutschland
  kein  Nachtwächter  seinen  Posten  behalten,  wenn  er  Sozialdemokrat ­
  war.  Auch  heute  dürfen  amtliche  Institutionen  nicht  dazu  verwandt
werden,  um  die  Regierung  zu  stürzen.
Dann  komme  ich  zuni  Streik  im  Kreise  Franzburg  im  Sommer.  Wenn
irgendwo  ohne  Zutun  der  Arbeiter  ein  Generalstreik  ausbrach,  so  in  diesem
Falle.  Es  ist  aktenmäßig  festgestellt,  von  wo  die  Treibereien  ausgingen.
Ich  behaupte  heute  mit  voller  Ueberlegung.  daß  diese  Aktion  aus  zweierlei
Gründen  betrieben  wurde!  Einmal  wollte  man  beweisen,  daß  die  Landarbeiter ­
  nicht  reis  seien  für  das  freie  Koalitionsrecht;  man  wollte  ihnen  die
Rechte  nehmen.  Und  zum  andern  sollte  damals  in  der  Zeit  der  politischen
Hochspannung  in  der  äußeren  Politik  diese  Differenzen  benutzt  werden,  um
die  Gegenrevolution  in  Deutschland  vorzubereiten.  Es  ist  der  Arbeiterschaft ­
  Vorpommerns  zu  verdanken,  daß  diese  Pläne  nicht  zur  Ausführung
gekommen  sind.  Es  war  ein  Glück,  daß  ein  Vertreter  unserer  Organisation
in  der  Preußischen  Landesversammlung  war.  Es  ist  mir  und  dem  Landwirtschaftsminister
  Kollegen  Braun  gelungen,  diese  Hetze  niederzuschlagen.
Ich  kam  von  den  Tarifverhandlungen  in  Stralsund  und  las  am  Abend  hier
in  der  Presse  die  fette  Urbcrschrift:  „Generalstreik  in  Pommern".  Es
wurde  geflissentlich  der  Schwindel  verbreitet:  Seht,  nun  fangen.auch  die
Landarbeiter  an!  Als  ich  nach  meiner  Wohnung  fuhr,  sprach  in  der  Bahn
alles  davon:  Nun  fangen  die  Landarbeiter  auch  noch  an,  nun  werden  wir
ja  wohl  verhungern.  Es  ist  uns  dann  gelungen,  diese  Treibereien  zu  unterbinden ­
  und  deshalb  der  Haß  gegen  den  Verband!
Es  kam  dann  die  Hetze  in  Neustettin  unter  Führung  des  Herrn  von
Hcrzberg-Lottin,  wo  die  Besitzer  auch  heute  noch  nicht  so  weit  sind,  daß  sie
Tarife  abschließen  wollen.  Die  Antwort  war  die  Verordnung  des  Laudwirtschaftsministers
  vom  2.  September  1919,  wodurch  die  Besitzer  gezwungen ­
  werden  sollten,  die  tariflichen  Löhne  zu  zahlen,  die  durch  "die  Schlichtnngsausschüsse
  festgesetzt  wurden.  Dieses  Vorgehen  verschärfte  natürlich
wieder  den  Kampf  gegen  den  Minister  Braun.  Jede  Maßnahme  wurdr
eben  bekämpft,  durch  die  die  Regierung  versucht  hat,  Ordnung  zu  schaffen.
Wer  sind  denn  diese  Leute  wie  Herzbcrg-Lottin,  der  sich  heute  noch
Königlicher  Landrat  nennt?  Das  ist  derselbe  Herzberg-Lottin,  der  nach  der
Reichstagswahl  1912.  ftincn  Arbeitern  befohlen  hat,  die  Gutskutsche  zu
grüßen,  ganz  egal,  ob  jemand  drin  sitzt  oder  nicht.  Das  sind  die  Leute,
die  heute  noch  den  Ton  angeben.  Demgegenüber  sage  ich:  Wenn  wir
in  Deutschland  schon  den  Belagerungszustand  haben,  und  Leute  von  der
Linken  ins  Loch  stecken,  d  a  n  n  soll  m  a  n  a  n  ch  s  o  l  ch  e  Leut  e.
m  a  l  ne  h  m  e  n.  (Lebhafte  Zustimmung.)  Ich  bin  fest  überzeugt,  wenn
man  den  Junkern  gegenüber  energisch  zufaßt,  dann  w  e  r  d  e  n

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