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jeden objektiv denkenden Menschen ist es doch klar, daß. wenn ein Arbeiter
über ein Jahr in einen! Betriebe beschäftigt war, man wohl sagen kann,
der Arbeitgeber ist mit dem Manne zufrieden. Bei den Maßregelungen
unserer Vertrauensleute handelte es sich aber in vielen Fällen um Arbeiter,
die fünf, sechs, zehn, auch fünfzehn Jahre im Betriebe beschäftigt waren.
(Sehr richtig!) (Zuruf: Fünfundzwanzig Jahre!, Sie sind nur gemäß-
regelt worden, weil sie Mitglieder des Deutschen Landarbeiter-Verbandes
geworden find und nicht bloß Mitglieder, sondern auch Führer, Vertrauens
leute der .Kollegen auf dein Gutshof. Das ist auch der Fall in Anklam.
Meiner Ansicht nach , ist festgestellt, daß es sich hier um eine Maßregelung
handelte, denn der betreffende Gutsbesitzer hat in der Verhandlung mit dein
anwesenden Kollegen Segebrecht ausdrücklich gesagt, er motte den Mann
wieder beschäftigen, wenn er den Vertrauensposten in der Gewerkschaft nie
derlegt. (Hört! Hort!) Daraus ergibt sich doch, warum er ihn nicht weiter
beschäftigt. Was ist aus diesen fünf Fällen gemacht worden? Unser Kreis
vertrauensmann, Kollege Segebrecht, hat sich alle Mühe gegeben, daß es
zur Verhandlung kam. Die Sache wurde acht Tage lang hingezogen, dann
haben die Arbeitgeber Versammlungen abgehalten und haben wieder eine
Deputation zum Ministerium nach Berlin geschickt, dort oben werde wieder
mit dem Generalstreik gedroht. ^cf) habe schon unseren Vertrauensleuten
brieflich gesagt, sie möchten nicht immer das Wort Generalstreik anwenden.
Das Wort spukt in den Köpfen herum, keiner ist sich über die Bedeutung
klar. Sagt lieber, die Kollegen. treten in den Abwehrstreik. Wenn in
irgend einem Kreise ein Paar Landarbeiter streiken, machen die Junker schon
einen Generalstreik daraus. Kurz und gut, die Sache wurde hingezogen und
erst dann, als die Kollegen in Berlin waren und zurückkamen, und als das
Gewerkschaftskartell in 'Anklam einsprang, sind die Junker zu Verhand
lungen bereit gewesen. Aber vorher mußten Inserate in den Kreisblättern
erscheinen mit großen Erklärungen, wo zum Schluß die Bedingung gestellt
wurde: Bedingungslos -nutz die Drohung mit dem Generalstreik vom Land-
arbciter-kVerband zurückgenommen werden.
Nun liegen die Dinge dort so: Nicht wir haben den Tarif gekündigt,
sondern der Landbund. ' Die Kollegen sind selbstverständlich erbost darüber,
wenn der Tarif zu einem Zeitpunkt gekündigt wird, wie dem 1.^ Januar,
wo natürlich die Zeit für die Arbeiter nicht günstig ist. _ Dann kam die Er
regung hinzu, die hervorgerufen wurde durch die Maßregelung der Ver-
bandsfunktionäre. Und da erklärt man: Jawohl, wir sind zu Verhand-
lungen bereit, wenn der Landarbeiter-Verband bedingungslos die Drohung
mit dem Generalstreik zurücknimmt. Wenn wir umgekehrt gesagt hätten,
wir sind zu Verhandlungen bereit, wenn der Landbund bedingungslos die
Kündigung zurücknimmt, was wäre dann für ein Geschrei entstanden. Un
sere Kollegen waren bereit, unter den niedrigen Bedingungen w°iter zu
arbeiten, aber dann setzte der Lärm in der Presse ein, da schickt man Depu
tationen nach Berlin zum Laydwirtschaftsminister, mit dem man sonst
nichts zu tun haben ivill, zu dein einfachen Zweck, die Öffentlichkeit nicht
zur Ruhe kommen zu lassen über die Verhältnisse in Pommern. Wenn es
dort nicht zur Ruhe kommt, so liegt das eben daran, weil dort Kreise am
Werke sind, die ihre besonderen Geschäfte besorgen wollen gegenüber dein
Deutschen Landarbeiter-Verband. Dort haben sie die Führung übernom
men, uin die Organisation zu bekämpfen und zu unterdrücken. Das lassen
wir uns nicht gefallen.
Auf der andern Seite darf die Regierung auf keinen Fall diese agrari
schen Maßnahmen verkerinen, die von Pommern ausgehen. Dort oben