Full text : Der Pommersche Landbund

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Der  Verbandsvorstand  ist  voll  im  Bilde,  wie  die  Dinge  liegen.  Vertrauen
Sie  dem  Verbandsvorstand,  lassen  Sie  ab  von  den  einzelnen  Unternehmungen! ­
  Es  gibt  nichts  schlimmeres  in.der  Arbeiterbewegung  als  die  Zerrissenheit. ­
  Wenn  wir  herausgefordert  werden,  wollen  wir  den  Schlag  aber  auch
so  führen,  daß  er  wirksam  ist.
Die  Verordnung  vom  3.  September  muß  geklärt  werden.  Es  heißt  da
im  §  14:  Bor  jeder  Kündigung  hat  der  Arbeitgeber  sich  mit  dein  Arbeitnehmer-Vertreter ­
  oder  der  Mehrzahl  der  Arbeitnehmer  ins  Benehmen  zu
setzen.  Die  Wirksamkeit  dieser  Kündigung  ist  nicht  von  der  Erfüllung  dieser
Pflicht  abhängig.  Diese  Bestimmungen  sind  von  dem  Schlichtungsausschuß
zu  unseren  Ungunsten  ausgelegt.  Wir  müssen  verlangen,  daß  gesetzgebende
Körperschaften  hier  Klarheit  schaffen.  Im  Interesse  der  Volkswirtschaft
müssen  die  Dinge  in  ruhige,  vernünftige  Bahnen  gebracht  werden.  Heute
arbeiten  die  Großgrundbesitzer  bewußt  der  Regierung  entgegen,  sie  erklären
die  Verordnungen  der  Regierung  für  ungesetzlich,  die  Regierung  sei  überhaupt ­
  keine  gesetzliche  Vertretung.  Da  müssen  wir  verlangen,  daß  die  Regierung ­
  sich  durchsetzt  und  auch  diese  Leute,  die  weit  schwerer  unser  Wirtschaftsleben ­
  gefährden,  zu  fassen  sucht.  Vor  allem  ist  dazu  notwendig,  eine
starke,  geschlossene  Arbeiterschaft.  Wir  müssen  alles  tun,  daß  die  Organisation ­
  nicht  erschüttert  wird,  sondern  immer  mehr  in  die  Tiefe  geht.  Dann
werden  wir  auch  in  der  Lage  sein,  den  Schlag  so  zu  führen,  wie  es  im
Interesse  der  Landarbeiter  liegt.  (Bravo!)
Vors.  Schmidt  macht  darauf  aufmerkam,  daß  noch  16  Kreisvertreter
eingetragen  sind  und  ersucht  die  Kollegen,  ihr  Material  dem  Verbandsvorstand ­
  schriftlich  mitzuteilen,  es  iverde  dann  bei  Herausgabe  des  Protokolls
mitverwendet  werden.
G  o  e  b  e  l  -  Stralsund:  Wenn  wir  im  Juli  den  ersten  Streik  im  Kreise
Franzburg  bekommen  haben,  so  lag  das  nicht  an  der  Arbeiterschaft,  sondern
an  der  andern  Seite.  Da  mir  der  Arbeitgeber-Verband  nicht  bekannt  war,
sondern  nur  der  Pommerschc  Landbund,  habe  ich  zunächst  den  Landrat  von
Franzburg  ersucht,  den  von  uns  eingereichten  Tarif  den  Arbeitgebern  zu
übermitteln.  Da  meldete  sich  dann  der  Landbund  als  Arbeitgeber-Organisation ­
  und  verlangte  von  uns,  daß  wir  ihn  auch  gleichzeitig  als  Arbeitnehmer-Organisation ­
  zulassen.  Das  habe  ich  natürlich  abgelehnt.  Die  Arbeitnehmer, ­
  soweit  sie  im  Landbund  organisiert  sind,  sind  ja  doch  keine
selbständige  Organisation,  sondern  werden  von  ihren  Arbeitgebern  ausgehalten, ­
  und  sollen  natürlich  im  Sinne  der  Arbeitgeber  handeln.  Es  wurde
der  Schlichtungsausschuß  in  Stralsund  angerufen,  der  dann  auch  entschieden ­
  hat,  daß  der  Landbund  natürlich  nur  als  Arbeitgeber-Organisation
zugelassen  werden  könne.  Auf  Grund  dessen  haben  mir  dann  verhandelt.
Nachdem  die  Verhandlungen  besonders,  auch  wegeuWer  Arbeitszeit  abgebrochen ­
  wurden,  haben  die  Herren  sich  Bedenkzeit  von  acht  Tagen  erbeten.
In  der  nächsten  Sitzung  kam  es  auch  zu  keinem  Resultat,  weil  nun  durch
den  Landbund  ganz  andere  Verhandlungsvertreter  hinzugezogen  wurden,
die  das  rückgängig  gemacht  haben,  was  in  der  vorigen  Verhandlung  festgelegt ­
  war.  Darüber  war  die  Empörung  draußen  in  den  Landarbeiterkreisen, ­
  speziell  im  Kreise  Franzburg,  sehr  groß.  Das  war  den  Arbeitgebern ­
  natürlich  bekannt  geworden.  Man  hatte  offenbar  schon  vorher  mit
einem  Streik  gerechnet.  Es  ist  ja  auch  bekannt,  daß  der  Belagerungszustand ­
  in  Pommern  nicht  mit  Willen  der  Regierung  gekommen  ist,  sondern
durch  das  Generalkommando.  Man  ging  eben  von  dem  Bestreben  aus,
die  ganze  Schuld  dem  Landarbeiter-Verband  in  die  Schuhe  zu  schieben.
            
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