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Eisenbahnen: Die Lokomotive.
Geschichte der Lokomotive.
Noch ehe James Watt 1769 seine erste auf die Arbeiten Papins und die atmosphärische
oder Feuer-Maschine Newcomens gegründete Dampfmaschine der Welt übergeben
hatte, und ihre gewaltigen Vorteile zunächst für Bergwerkszwecke, sodann für das
gewerbliche Leben zu Tage traten, war jener von seinem Freunde Robison (1759) darauf
aufmerksam gemacht worden, daß die Dampfkraft zum Bewegen von Straßenwagen dienen
könne. Watt, dem es bekanntlich zuerst gelang, die hin und her gehende geradlinige
Kolbenbewegung durch den einfachen (am Spinnrocken und an der Drechslerbank schon
längst benutzten) Kurbelmechanismus in eine Drehbewegung umzusetzen, nahm 25 Jahre
später (1784) ein Patent auf einen Dampfwagen mit hölzernem, durch Eisenbänder verstärktem
oder auch aus dünnem Blech gefertigtem Kessel mit innerem Flammrohr, verfolgte
die Sache aber nicht weiter. Die Ausbildung der Kondensations-Niederdruckdampfmaschine
und ihre
wirtschaftliche Verwertung
nahmen ihn ganz in
Anspruch.
In anderen Ländern
hatten mittlerweile erfinderische
Köpfe schon versucht,
die Dampfkraft für Fahrzeuge
auszunutzen. Es
gelang zum erstenmal dem
französischen Militäringenieur
Cugnot, der 1769
ein dreiräderiges Straßenfuhrwerk
durch Dampf
antrieb. Dasselbe vermochte
mit vier Personen
belastet eine Fahrgeschwindigkeit
von 3 1 / a km in der
Stunde zu erreichen. Die
Dampscylinder waren einfach
wirkend, mit einem
Vierweghahn als Dampfsteuerorgan,
eine Anordi79.
uiurboiko Lokomotive, 1784. nung, die bereits von
Leopold in seinem 1720
in Kassel erschienenen „Theatrum Machinarum“ angegeben worden ist. Die Drehbewegung
für das Treibrad bewirkte Cugnot durch eine sogenannte Ratsche (Sperrad mit Klinkhebel).
Der Dampfkessel dieser ersten Ausführung erwies sich jedoch zu klein. Nach
Cugnots Plänen ließ daun die französische Regierung mit einem Aufwande von
16 000 Mark eine größere, zum Fortschaffen schwerer Geschütze bestimmte Straßenlokomotive
herstellen. Dieselbe endete aber schon nach wenigen Fahrten durch die
Straßen von Paris infolge eines Zusammenstoßes mit einer Mauer und fand dann
eine Ruhestätte im Conservatoire des arts et des metiers, wo sie noch jetzt gezeigt wird.
Im Jahre 1784 fertigte Murdock, Assistent von Watt, ein Modell eines Dampfwagens
an, das von ihm in Thätigkeit gesetzt wurde und einige Fahrten ausführte.
Abb. 179 gibt eine Ansicht dieses Modellwägelchens wieder. Aus dem senkrechten Dampfkessel
ragt der Arbeitscylinder heraus, dessen Kolbenstange einen einarmigen langen Hebel
bewegt, der seinerseits durch eine Lenkstange die Radachse in Umdrehung versetzt — eine
Übertragungsform, die wir in etwas verbesserter Art 1801 bei Evans (Abb. 180),
1813 bei Hedley (Abb. 186 u. 187) und 1828 bei Foster, Rastrick & Co. (Abb. 207)
wiederfinden.