Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Bestimmung  der  Lohnhöhe.

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türfnis  nach  einer  wechselvolleren  Lebensgestaltung,  Hoffnung
auf  bessere  Zeiten  auch  dort  festgehalten,  wo  nicht  der  allerhöchste
Lohn  zu  erreichen  ist.
Allerdings  hat  diese  freie  .Selbstbestimmung  ihre  Grenze;  der
Mensch  muß  schließlich  leben.  Ejier  ist  auch  die  Grenze  gegeben, ­
  bis  z  u  welcher  der  Lohn  dauernd  sinken
kann;  ist  ein  Gewerbe  oder  ein  Land  nicht  mehr  imstande,  einen
Lohn  zu  zahlen,  der  zur  Leben«fristung  ausreicht,  so  werden  sie
von  den  Arbeitern  notgedrungenerweise  verlassen.  Umgekehrt  kann
auch  der  Arbeitgeber  nicht  jeden  beliebigen  Lohn
zahlen;  er  muß  sicher  sein,  daß  ihm  in  dem  preise,  den  er  für
bas  fertige  Produkt  erhält,  die  Rosten  des  Lohnes  —  neben  den
übrigen  Selbstkosten  —  zum  mindesten  ersetzt  werden.  Dort,  wo
die  Löhne  sehr  hoch  stehen,  wie  in  den  australischen  Staaten,  sind
denn  auch  gewisse  Industrien  nicht  möglich.
Innerhalb  der  Grenzen  der  Erhaltung  des
Arbeiters  und  der  Ro  st  enrexrod  Aktion  für  den
Unternehmer  können  die  Löhne  in  ziemlich
weitem  Umfange  schwanken.  Man  hat  das  früher  bestritten. ­
  Im  Mittelalter,  soweit  die  Bevölkerung  überhaupt  in
eine  Lohnpolitik  hineingezogen  wurde,  wollte  die  kirchliche  Lehre
vom  justum  pretium,  dem  gerechten  Lohne,  bewußt ­
  einen  Ausgleich  der  Interessen  des  kfandwerkers  und  feiner
Gesellen  herbeiführen;  diese  Auffassung  fand  noch  einmal  einen
großartigen  Ausdruck  in  dem  englischen  „L  e  h  r  l  i  n  g  s  g  e  s  e  tp
der  Königin  Elisabeth  von  1562,  das  in  Rodifizierung
älterer  Bestimmungen  die  Lohnfestsetzung  den  Friedensrichtern
übertrug.  Der  aufkommende  Frühkapitalismus  zerbrach  dies  Gesetz ­
  wie  die  alte  Anschauung  überhaupt;  unter  dem  Eindruck  des
starken  ^erabsinkens  der  Arbeiterklasse  in  dieser  Zeit  setzte  sich
die  pessimistisch  gefärbte  Überzeugung  auf  beiden  Seiten  fest,  daß
der  Lohn  des  Arbeiters  dem  denkbar  niedrigsten  Stande  immer
zustreben  müsse.  Diese  Anschauung  wurde  von  den  Vertretern
der  Arbeiterinteressen  in  dem  „ehernen  Lohngesetz",  von  den
Unternehmerfreunden  in  der  „Lohnfondstheorie"  formuliert.
Das  eherne  Lohngesetz  ist  zuerst  von  Ricardo  ausgesprochen ­
  worden;  in  seiner  heutigen  Formulierung  stammt  es
von  dem  Arbeiterführer  Ferdinand  Lassalle.  In  seinem
berühmten  „Gffenen  Antwortschreiben  an  das  Zentralkomitee
zur  Berufung  eines  Allgemeinen  Deutschen  Arbeiterkostgresses
            
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