Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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Düs  Arbeitseinkommen.

dem  Erfolg  des  Streiks  sehr  zweifelhaft;  so  gab  z.  23.  die  amtliche
deutsche  Statistik,  die  wohl  alle  nennenswerten  Fälle  erfaßte,  für
1910  an,  daß  von  2H5  in  diesem  Jahre  beendeten  Streiks  nur
419  einen  vollen  und  9O8  einen  teilweisen  Erfolg  hatten,  während
786  glatt  verloren  gingen.
Die  Situation  wurde  für  die  Arbeiter  immer  weniger  aussichtsreich,^ ­
  feit  nun  auch  die  Unternehmer  sich  zu  koalieren  begannen. ­
  Solcher  Arbcitgebervereine  gab  es  bereits  eine
ganze  Anzahl,  als  ein  an  sich  anfangs  nicht  besonders  beachteter
Arbeitskampf  sie  zusammenführt^.  In  deni  kleinen  sächsischen
Städtchen  L  r  i  m  m  i  t  s  ch  a  u  war  irrt  Winter  1902/04  ein  Streik
ausgebrochen,  durch  den  die  streikenden  Weber  sich  den  Jehnstundentag
  erringen  wollten.  Als  der  Kampf  sich  wider  Erwarten
in  die  Länge  zog,  riefen  die  Streikenden  die  Hilfe  der  anderen
deutschen  Arbeiter  an  und  in  kurzer  Zeit  wäret:  Hunderttausende
von  Mark  zu  ihrer  Unterstützung  zusamniengebracht.  Dadurch  kam
der  Stein  auch  auf  der  Gegenseite  ins  Rollen.  Die  einzelnen
Arbeitgebervereine  traten  zu  einem  großen  deutschen  Arbeitgeberverband
  zusammen,  der  die  Lrimmitschauer  Fabrikanten  so  nachdrücklich ­
  unterstützte,  daß  die  Arbeiter  den  Streik  verloren  geben
mußten.  Dem  ersten  dieser  verbände,  der  „H  a  u  p  st  e  l  l  e  deutscher ­
  Arbeitgeberverbände",  schloß  sich  -bald  noch  ein
„Verein  deutscher  Arbeitgeberverbände"  an,  der
im  wesentlichen  dje  gleichen  Ziele  vertrat  und  sich  später  mit  der
Hauptstelle  zusammenschloß;  auch  diese  Organisationen  wurden
immer  stärker  ausgebaut.  Ibre  Waffen  waren  Aussperrungen, ­
  schwarze  Listen,  Streikversicherung.
Die  Machtverschiebungen  zwischen  den  bis  dahin  herrschenden
Unternehmerschichten  und  den  Arbeitermassen  im  Gefolge  von
Krieg  und  Revolution  haben  nun  zu  einer  bisher  noch  gar  nicht
übersehbaren  Veränderung  der  verhältinsse  geführt.  Die  Gewerkschaften ­
  haben  trotz  starken  Wachsens  der  Mitgliederzahl  an  Bedeutung ­
  und  Einfluß  außerordentlich  eingebüßt;  in  England  hat
die  Regierung  Lloyd  Georges  sie  unter  Kriegsrecht  gestellt  m:d
ihnen  die  Anwendung  ihrer  Machtmittel  unmöglich  gemacht.  So
entstanden  dort  schon  während  des  Krieges  neue  Organisationen,
lokale  Zusammenfassungen  der  Arbeiter  eines  Betriebes,  die
shop  councils,  die  dann  durch  weitere  Zusammenfassungen
in  Bezirken  neben  den  Berufsorganisationen  der  Gewerkschaften
sich  zu  einer  neuen,  traditionslosen  und  äußerst  radikalen  ver-
            
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