Ivirtschastsgeschichle unö Statistik. 15
gäbe, aus früheren Geschichtserzählungen, Chroniken, nrkunSlichein
Material und anderen Lebensäußerunaen, einen 2lusschnitt aus
der Gesamtwirklichkeit wieder lebendig zn machen und in seinen
inneren Verknüpfungen nachzuweisen. Der Wirtschaftshistoriker
zeigt etwa, wie gegen Ausgang des Mitelalters eine auf Geld
erwerb gerichtete Grundstimmung langsam erwächst, und versucht,
die Ursprünge dieses von uns so genannten kapitalistischen Geistes
auf den Calvinismus, auf das Iudentun^ oder auf andere Ur
sachen zurückzufahren. Gder er untersucht die Entstehung des
modernen proletariats, zeigt, wie es aus drei (Quellen, nämlich
dem alten handwerklichen Gesellentum, den deklassierten Land
streichern und „Armen" sowie der neuen Überschußbevölkerung
zusammenfließt, die erst mit Ejilfe der modernen produktions-
und Verkehrstechnik ernährt werden kann; er verfolgt die Be
dingungen, unter denen ein solches proletariat entstehen konnte,
kommt auf die Entstehung der Großindustrie und der kapitalisti
schen Produktion überhaupt und läßt so dies problem in das erste
der Entstehung des kapitalistischen Geistes einmünden. Wie denn
überhaupt das letzte, freilich unerreichbare Ziel der Geschichts
wissenschaft. die lückenlose Erklärung des Zusammenhanges alles
menschlichm Geschehens ist.
Führen^ die zu untersuchenden Ereignisse ihr Leben nicht nur
in Büchern und pergamenten, so werden wir sie auch auf andere
Weise zu fassen vermögen. Eine große.Reihe wirtschaftlicker oder
wirtschaftlich wichtiger Vorgänge und Erscheinungen haben die
Eigenschaft, meßbar, zählbar und wägbar zu sein. Wir können
Geburten und Sterbesälle zählen, wir können Steinkohlenproduk
tion und Bierverbrauch, Anbaufläche von Weizen und Ausfuhr
von Baumwollstoffen wägen oder messen. Die 2 t a t i st i k , denn
um diese handelt es sich, ist freilich nicht nur auf wirtschaftlich be
deutungsvolle Vorgänge anwendbar. Das Wort Statistik ist zum
erstenmal von Achenwall im Jahre *748 angewendet worden:
er verstand darunter die Lehre von der Staatsverfassung und den
„Staatsmerkwürdigkeiten". In der Tat hatten die Kerrscher und
Staatsmänner zuerstz das zwingende Bedürfnis, namentlich alles
das zu ermitteln, was die Bevölkerung und die Produktion sowie
die Produktionsmittel angeht. Auf die Ermittelung der „Staats«
merkwürdigeiten" wurde zuerst die Methode des Messens, Wägens
und Zählens angewendet, und so konnte es geschehen, daß man
die Ermittlungsweise mit denr Gegenstand der Ermittlung un-