Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

18  Aufgaben  und  Methoden  der  Volkswirtschaftslehre.
ihre  Beobachtungm  im  Wege  der  historischen  oder  statistischen
Arbeit  auf  irgendeinem  anderen  sonst  für  zulässig  erachteten  woge
sammeln  müsse.  Erkenntnisse  solcher  Art  überlasse  der  wirtschaftstheoretiker
  also  anderen  Bearbeitern  der  wissenschaftlichen
Ökonomie,  die  durch  ihre  Methode  in  den  Stand  gesetzt  seien,
die  theoretisch  gewonnenen  Ergebnisse  weiterzuführen.  Doch
werde  der  Theoretiker  sich  der  Beziehung  auf  das  geschichtliche
Werden  nicht  ganz  zu  enthalten  haben.  Es  gebe  zahlreiche  geschichtliche ­
  Wirtschaftsprozesse,  die,  nachdem  sie  Jahrzehnte  und
Jahrhunderte  gefüllt  haben,  auch  heute  noch  im  Lause  und  deshalb ­
  der  Einsicht  durch  die  gemeine  Erfahrung  zugänglich  seien;
so  z.  B.  die  Entwicklung  der  Arbeitsteilung  oder  die  Steigerung
der  Grundrente,  oder  auch  selbst  die  Auslösung  der  Naturalwirtschaft ­
  durch  die  Geldwirtschaft.  Die  Methode  der  Wirtschaststheorie
  ist  also  nach  der  2lufsassung  von  Wieser  empirisch,  sie  beruht ­
  auf  Beobachtung  und  hat  kein  anderes  Ziel  als  die  Wirklichkeit ­
  zu  beschreiben,  allerdings  nur  in  ihren  typischen  Erscheinungen ­
  und  ihrem  typischen  Verlauf,  unter  Fortlassung  des
Nebensächlichen,  Zufälligen,  Besonderen.  Als  Lfilfsmittel  dazu,
dienen  die  gedankliche  Isolierung,  die  Zerlegung  der  zusammengesetzten ­
  Bilder  der  Erfahrung  in  ihre  einfachsten  Elemente,  und
die  Idealisierung,  die  den  empirischen  Fall  in  Gedanken  auf  den
höchsten  Grad  der  Vollkommenheit  erhöht.  Die  Isolierung  enthält
dabei  weniger,  die  Idealisierung  mehr  als  die  empirische  Wahrheit. ­
  Mit  diesen'  Annahmen  äußerster  Abstraktion  beginnt  der
Theoretiker,  ist  sich  aber  bewußt,  daß  sie  das  volle  Bild  der  Wirklichkeit ­
  nickt  geben.  Um  nun  sein  eigentliches  Ziel,  die  Erklärung ­
  der  Wirklichkeit,  zu  erreichen,  gestaltet  er  feine  Annahnwn
Schritt  für  Schritt  durch  ein  System  abnehmender  Abstraktion
konkreter  und  vielfältiger.  Ganz  an  die  Wirklichkeit  kommt  er
damit  nie  heran;  die  Theorie  verlange  vielmehr,  wie  schon  erwähnt, ­
  die  fortsetzende  Arbeit  anderer  wissenschaftlicher  Methoden
und  selbst  auch  der  praktischen  Politik,  die  realistisch  jene  Einzelheiten ­
  einzeichnen,  welche  sie  selber  in  ihrer  stilisierenden  Art  der
Darstellung  nicht  auszudrücken  vermöge.
Noch  in  einem  weiteren  Sinne  verlangt  v.  Wieser  eine  Ergänzung ­
  der  theoretischen  Wirtschaftsbetrachtung.  Der  volkswirtschaftliche ­
  Prozeß,  den  zu  erklären  seine  Absicht  ist,  hat  nach
ihm  nämlich  zwei  Voraussetzungen.  In  der  Volkswirtschaft  treffen
Einzelwirtschaften  zusammen.  Er  untersucht  deshalb  zunächst  die
            
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