Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

stellen  zu  können.  Eine  wirklich  wissenschaftliche  Begründung
aber,  die  natürlich  in  der  Theorie  und  Erklärung  der  Preisbildung
fußt,  schenken  sich  beide  Parteien.
Die  letztere  Ansicht,  obgleich  sie,  wenn  auch  übertrieben,  doch
immerhin  die  richtigere  ist,  hat  allerdings  nur  einen  namhaften
Vertreter.  Der  schwedische  Nationalökonom  Gustaf  Cassel
hat  das  Sinken  der  deutschen  Valuta  mit  einer  Inflation  in  Zusammenhang ­
  gebracht  und  sieht  sogar  in  der  Geldvermehrung
die  einzige  Arsache  unserer  gesunkenen  Valuta.  In  seiner  1916
erschienenen  Schrift:  „Deutschlands  wirtschaftliche  Widerstandskraft", ­
  in  der  er  sich  übrigens  durchaus  deutschfreundlich
erweist,  behauptet  er  diese  nicht  nur  für  Deutschland,  sondern  ganz
allgemein.  Auf  Grund  der  herrschenden  Anklarheit  über  das
Wesen  des  Preises  und  die  Grundlagen  der  Preisbildung  wendet
er  eine  extreme  Quantitätstheorie  auf  die  ausländischen  Wechselkurse ­
  an  und  behauptet,  daß  der  ausländische  Wechselkurs  der
Ausdruck  des  inländischen  Preisniveaus,  also  der  Kauftraft  des
Geldes  sei.  Er  berechnet  auf  Grund  der  Indexziffern  in  den  verschiedenen ­
  Ländern  vor  und  in  dein  Kriege  Inflationsziffern,  stellt
dem  Kurs  der  Mark  im  Auslande  die  Vermehrung  der  Amlaufsmittel ­
  im  Kriege  im  Verhältnis  zum  Friedensumlauf  gegenüber
und  findet  eine  Proportionalität  beider.  Ich  habe  nun  schon  in
der  eingehenden  Kritik  der  Quantitätstheorie,  die  ich  in  „Geld
und  Gold"  geliefert  habe  (Kapitel  III),  betont,  was  sich  bei  einer
richtigen  Preistheorie  von.  selbst  ergibt,  daß  jedes  Operieren  mit
Indexziffern,  mit  einen:  durchschnittlichen  Preisniveau,  willkürlich
ist  und  die  ganz  verschiedenartige  Bewegung  der  einzelnen  Preise
und  die  Arsachen  von  Preisveränderungen  überhaupt  verkennt,
denn  es  steigen  fast  nie  alle  Preise,  unb  wenn  auch,  so  in  äußerst
verschiedenem  Amfange.  Mit  jeder  Preisveränderung  verändern
sich  aber  auch  die  Einkommen,  und  diese  Einkommensverändcrungen
  sind  dann  wieder  die  Arsachen  von  weiteren  Preisveränderungen, ­
  die  aber  nicht  mit  Durchschnittsziffern  erfaßt  werden
können.  Auch  läßt  sich  weder  der  Amfang  der  Friedens-,  noch
der  Kriegszirkulation  genau  feststellen,  ganz  abgesehen  davon,
daß  es,  wie  man  mit  einer  richtigen  Geldtheorie  erkennt,  überhaupt ­
  nicht  allein  auf  die  realen  Zahlungsmittel  ankommt.
And  ferner:  wenn  man  schon  willkürlich  ein  durchschnittliches  inländisches ­
  Preisniveau  errechnet  und  seine  Veränderung  in  Pro-.
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