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allem: „Was sollen wir?“ Sie dürstete nach prak
tischer Weisheit, nach Hilfe in der Fülle des realen
Lebens. Die Forscher fühlten mit ihr, denn nur lang
sam erwuchs das spezifisch wissenschaftliche Inter
esse. Und die Forscher meinten um so mehr die
Dürstenden tränken und die Hungernden speisen zu
können, als sie die unüberbrückbare Kluft zwischen
Erkenntnis und Zielsetzung nicht sahen. Die Ziel
setzung schien ihnen einfach aus der Erkenntnis zu
folgen, auf einem Weg zu liegen, der sich von dem,
der zum Beweis einer Proposition Euklids führt, gar
nicht unterscheidet. Sie waren sich nicht bewußt,
daß, sowie von Wollen und Sollen in anderem Sinn
die Rede ist als in dem Sinn, daß das tatsächliche
Wollen und Sollen konkreter Menschen und Völker
und Zeiten kausal begriffen werden kann, der Waggon
der Wissenschaft den Schienenweg der Logik verläßt
und in die Luft fliegt. Warum hätten sie also dem
tiefsten Sehnen des Menschen Steine statt Brot bieten,
auf die tiefsten Fragen mit einem Achselzucken ant
worten sollen — wie wir es heute tun müssen, nach
dem wir die Notwendigkeit des gewaltigen Opfers
erkannt haben?
So gingen sie denn unbefangen von der Theorie
des Seienden zur Forderung des Seinsollenden über,
in der Ethik wie auf allen anderen Gebieten. Daher
machten sie den aussichtslosen Versuch, ein für alle
Zeiten und Orte „gütiges“ — wenngleich erst durch
zusetzendes — Sittengesetz zu erkennen, von dem sie
°ft auch noch behaupteten, daß es tatsächlich Ziel
und Sinn der tatsächlichen Entwicklung ausdrücke.
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