bildete. Das Naturrecht ist nie ausgestorben, obgleich
gerade diese Disziplin nahe daran war — es erhält
sich im Anschluß an die alten Gedanken bis über
die Mitte des 19. Jahrhunderts und erhält dann neues
Lebensblut aus der Soziologie und Sozialpsychologie.
Der wissenschaftlichen — im Gegensatz zur metaphysischen
— Ethik ging es ganz ebenso: Um beispielsweise
eine der Entwicklungsrichtungen anzudeuten,
es hat sich im Anfang des 19. Jahrhunderts
eine utilitarische Ethik ausgebildet, die im engsten
Anschluß an die Arbeit der Vorzeit stand. Diese utilitarische
Ethik erhielt sich in dieser Form bis in die
achtziger Jahre, wo sie dann sozialpsychisch und
soziologisch unterbaut zu werden und in etwas anderes,
in die moderne soziologische Ethik einzumünden
begann, welche alle die Ausgangspunkte der verschiedenen
Ethiken früherer Zeiten in einer umfassenden
Theorie und auf breiterer Tatsachengrundlage
begreift. Die Psychologie hat sachlich einen
ganz ungebrochenen Entwicklungsgang gehabt, und
alle die Pflanzen blühen nun nebeneinander, die im
18. Jahrhundert gesät wurden. Und die Soziologie?
Die Art von Soziologie, die sich innerhalb des Lehrsystems
des Naturrechts entwickelt hatte, sah lange
so aus, wie wenn sie mit diesem zugrunde gehen
wollte. Heute aber erfreut sie sich des muntersten
Lebens und die ganze Literatur, die den wissenschaftlichen
Tag auf diesem Gebiet beherrscht, ist nichts
anderes als die Weiterbildung des alten Ansatzes zu
einer Theorie der Gesellschaft, nur genährt und gefördert
durch neues Material und neue Methoden.