Full text : Fortschritt und Armut

Folgerungen  aus  Tatsachen.

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Kap.  ii.

losen  Banditen  in  der  Uniform  von  Soldaten  erhoben,  welche  die  unglückseligen  Bauern
aus  den  Dörfern  in  die  Wälder  jagen  und  ruchlos  zerstören  oder  wegnehmen,  was
von  deren  Eigentum  ihren  Launen  zusagen  oder  ihre  Habgier  sättigen  kann,  Jeder
Versuch  der  Bauern,  ihre  Personen  oder  ihr  Eigentum  innerhalb  der  Erdwälle  ihrer
Dörfer  zu  verteidigen,  ruft  nur  noch  rachsüchtigere  Vergeltung  über  diese  nützlichen
aber  beklagenswerten  Sterblichen  hervor.  Sie  werden  dann  umzingelt  und  mit
Kanonen  und  Musketen  angegriffen,  bis  der  Widerstand  gedämpft  ist,  wonach  die
Aberlebenden  verkauft,  ihre  Wohnungen  verbrannt  und  dem  Erdboden  gleichgemacht
werden.  Daher  wird  man  häufig  Bauern  beschäftigt  finden,  die  zertrümmerten
Reste  dessen,  was  gestern  noch  ihre  Wohnstätte  war,  zusammenzusuchen,  sobald  die
Furcht  ihnen  gestattet,  zurückzukehren;  öfter  jedoch  sieht  man  nach  einer  derartigen
heimsuchunq  die  noch  rauchenden  Ruinen,  ohne  daß  das  Erscheinen  eines  menschlichen
Wesens  die  beklemmende  Stille  der  Verwüstung  unterbräche.  Diese  Schilderung
paßt  nicht  allein  auf  die  mohammedanischen  Häuptlinge,  sondern  ist  gleichermaßen
anwendbar  auf  die  Rajahs  in  den  von  Hindus  regierten  Distrikten*)."
Dieser  unbarmherzigen  ksabgier,  die  Elend  und  Hungersnot  hervorgebracht ­
  haben  würde,  wenn  auch  nur  ein  Mensch  auf  die  Tuadrat-Meile
  käme  und  das  Land  ein  Garten  Edens  wäre,  folgte  in  der  ersten
Aeit  der  britischen  Herrschaft  in  Indien  eine  ebenso  unbarmherzige
Habgier,  die  nur  durch  eine  weit  unwiderstehlichere  Macht  gestützt  wurde.
Alacaulay  sagt  darüber  in  seinem  Essay  über  Lord  Elive:
„Ungeheure  vermögen  wurden  schnell  in  Kalkutta  zusammengerafft,  während
Millionen  menschlicher  wesen  in  den  Abgrund  des  äußersten  Elends  gestürzt  wurden.
5ie  waren  wohl  gewöhnt  gewesen,  unter  der  Tyrannei  zu  leben,  aber  nie  unter  einer
Tyrannei  gleich  dieser!  Sie  fanden  den  kleinen  Finger  der  Kompagnie  dicker  als  die
Hüften  von  Surajah  Dowlah  ....  Sie  glich  mehr  einer  Regierung  böser  Geister,
als  der  Regierung  menschlicher  Tyrannen.  Bisweilen  ertrugen  sie  es  in  geduldigem
Elend.  Bisweilen  flohen  sie  vor  dem  weißen  Manne  wie  ihre  Väter  gewöhnt  gewesen
waren,  vor  dem  Maharatta  zu  fliehen,  und  der  Tragsessel  des  englischen  Reisenden
wurde  oft  durch  stille  Dörfer  und  Städte  getragen,  welche  die  Nachricht  von  seiner
Annäherung  verödet  hatte."
Auf  die  Schrecken,  welche  Macaulay  nur  berührt,  warf  die  lebhafte ­
  Beredsamkeit  Burkes  ein  stärkeres  Licht  —  ganze  Distrikte  wurden
der  zügellosen  Habsucht  von  Teufeln  in  Menschengestalt  überantwortet,
die  ärmsten  Bauern  allen  erdenkbaren  Torturen  unterworfen,  um  sie
Zu  zwingen,  ihre  verborgenen  Habseligkeiten  auszuliefern,  und  einst
volkreiche  Strecken  in  wüsten  verwandelt.
Aber  der  gesetzlosen  Frechheit  der  früheren  englischen  Herrschaft
sst  seit  lange  Einhalt  geboten  worden.  Die  starke  Hand  Englands  hat
jener  ganzen  großen  Bevölkerung  einen  mehr  als  römischen  Frieden
Segeben;  die  gerechten  Grundsätze  des  englischen  Gesetzes  sind  durch
ein  sorgfältiges  System  der  Gesetzbücher  und  Rechtsprechung  verbreitet
Morden,  das  darauf  berechnet  ist,  dem  niedrigsten  dieser  verkommenen
Menschen  die  Rechte  freigeborener  Angelsachsen  zu  verschaffen;  die
3anze  Halbinsel  ist  mit  einem  Eisenbahnnetz  ausgestattet,  und  große
-oewässerungsarbeiten  sind  ausgeführt  worden.  Aber  mit  zunehmender
*)  Indian  Recreation.  By  Rev.  Wm.  Tennant,  London  I8O4.  Bd.  I,  Abschn.  Lg.
George,  jortschritt  und  Armut.

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