Full text : Fortschritt und Armut

Buch  III.

j^8  Die  Gesetze  der  Verteilung.

Kapital.  Da  aber  die  Teilung  der  Arbeit  und  die  Vertauschbarkeit  der
Güter  einen  Ausgleich  der  Gewinne  bedingen  und  involvieren,  insofern
diese  verschiedenen  Produktionsweisen  miteinander  in  Wechselwirkung
stehen,  so  werden  die  aus  der  einen  entstehenden  Gewinne  mit  den  aus
der  anderen  entstehenden  sich  ausgleichen;  denn  weder  die  Arbeit  noch
das  Kapital  wird  sich  einer  Produktionsweise  widmen,  wenn  eine  anders,
ihnen  offenstehende  einen  größeren  Ertrag  gewährt.  Das  heißt,  die  in
der  ersten  Produktionsweise  aufgewendete  Arbeit  wird  nicht  den  ganzen
Ertrag  bekommen,  sondern  den  Ertrag  minus  den  Teil,  der  nötig  ist,
um  dem  Kapital  eine  solche  Vergrößerung  zu  gewähren,  wie  es  sie  in
den  anderen  Produktionszweigen  hätte  erzielen  können,  und  das  in
der  zweiten  und  dritten  Produktionsart  beschäftigte  Kapital  wird  nicht
die  ganze  Vermehrung  erhalten,  sondern  die  Vermehrung  minus  das,
was  ausreicht,  um  der  Arbeit  denselben  Lohn  zu  geben,  den  sie  bei
Beschäftigung  in  dem  ersten  Produktionszweige  hätte  erzielen  können.
Somit  entspringt  der  Zins  aus  der  Vermehrungsfähigkeit,  welche
die  reproduktiven  Kräfte  der  Natur  und  die  in  der  Wirkung  analoge
Fähigkeit  zum  Austausch  dem  Kapital  verleihen.  Er  ist  nichts  Willkürliches, ­
  sondern  etwas  Natürliches;  er  ist  nicht  das  Ergebnis  einer
besonderen  sozialen  Einrichtung,  sondern  der  allgemeinen  Gesetze,  denen
die  Gesellschaft  unterliegt.  Er  ist  daher  gerecht.
Diejenigen,  die  den  Zins  abschaffen  wollen,  verfallen  in  einen
Irrtum,  ähnlich  demjenigen,  welcher,  wie  wir  früher  andeuteten,  der
Lehre,  daß  der  Lohn  dem  Kapital  entnommen  werde,  ihre  Plausibilität
verleiht.  Wenn  sie  an  Zins  denken,  so  denken  sie  nur  an  den,  welchen
der  Benutzer  des  Kapitals  dem  Eigentümer  desselben  zahlt.  Offenbar
ist  dies  aber  nicht  aller  Zins,  sondern  nur  eine  Art  Zins.  Wer  Kapital
-  benutzt  und  das  Mehr  erhält,  welches  dasselbe  ergeben  kann,  empfängt
Zins.  Pflanze  und  pflege  ich  einen  Baum,  bis  er  trägt,  so  erhalte  ich
in  seinen  Früchten  den  Zins  des  Kapitals,  das  ich  so  angehäuft,  d.  h.
der  Arbeit,  die  ich  verwendet  habe.  Ziehe  ich  eine  Kuh  auf,  so  ist  die  Milch,
welche  sie  mir  morgens  und  abends  gibt,  nicht  bloß  der  Lohn  der  dabei
aufgewendeten  Arbeit,  sondern  sie  repräsentiert  auch  den  Zins  des
Kapitals,  welches  meine  zu  ihrer  Aufziehung  verwendete  Arbeit  in  der
Kuh  angehäuft  hat.  Und  ebenso,  wenn  ich  mein  Kapital  zu  direkter  Unterstützung ­
  der  Produktion  benutze,  wie  z.  B.  durch  Maschinen,  oder  zu
indirekter  Unterstützung  der  Produktion,  wie  z.  B.  durch  den  Pandel,
so  erhalte  ich  einen  speziellen  und  unterscheidbaren  Vorteil  durch  die
reproduktiven  Eigenschaften  des  Kapitals,  die  ebenso  tatsächlich,  wenn
auch  vielleicht  nicht  so  klar  sind,  als  wenn  ich  mein  Kapital  einem  anderen
geliehen  und  derselbe  mir  Zins  dafür  gezahlt  hätte.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.