Full text : Fortschritt und Armut

*58

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Buch  III.

ständig  erhält;  daher  muß  der  Preis  des  Mehles  steigen  und  fallen  mit
dem  Steigen  und  fallen  des  Weizenpreises.
Oder  wie  wir  mit  Beifeitelassung  des  verbindenden  Gliedes,  des
Weizenpreises,  sagen,  daß  der  Preis  des  Mehls  von  dem  Ausfall  der
Ernten,  von  Kriegen  usw.  abhänge,  so  können  wir  das  Gesetz  des  Zinses
in  eine  Form  bringen,  die  direkt  an  das  Gesetz  der  Rente  anschließt,
indem  wir  sagen,  daß  der  allgemeine  Zinsfuß  bestimmt  wird  durch  den
Ertrag  des  Kapitals  auf  dem  ärmsten  Boden,  dem  sich  dasselbe  überhaupt
zuwendet,  d.  h.  auf  dem  besten,  der  ihm  ohne  Rentenzahlung  zugänglich
ist.  So  bringen  wir  das  Zinsgesetz  in  eine  Form,  die  dasselbe  als  ein
Korrelat  des  Gesetzes  der  Rente  ausweist.
Wir  können  diese  Folgerung  noch  auf  eine  andere  Art  beweisen;
denn  daß  der  Zins  in  dem  Maße  fallen  muß  wie  die  Rente  steigt,  können
wir  klar  sehen,  wenn  wir  den  Lohn  beiseite  lassen.  Um  dies  zu  tun,
müssen  wir  uns  allerdings  eine  nach  ganz  verschiedenen  Prinzipien
organisierte  Welt  vorstellen.  Immerhin  können  wir  uns  jenen  Zustand
vorstellen,  den  Larlyle  ein  Narrenparadies  nennt,  und  wo  die  pervorbringung
  der  Güter  ohne  Mitwirkung  der  Arbeit  und  nur  durch  die
zeugende  Macht  des  Kapitals  vor  sich  geht,  wo  die  Schafe  fertige  Kleider
auf  ihren  Rücken  tragen,  die  Kühe  Butter  und  Käse  hergeben  und  die
Ochsen,  nachdem  sie  den  erforderlichen  Grad  von  Fett  erlangt  haben,
sich  in  Beefsteaks  und  Roastbeefs  tranchieren,  wo  päuser  aus  der  Erde
wachsen  und  ein  hingeworfenes  Taschenmesser  Wurzel  faßt  und  in
gehöriger  Zeit  eine  Ernte  von  assortierten  Eisenwaren  bringt.  Stellen
wir  uns  nun  gewisse  Kapitalisten  vor,  die  mit  ihren  Kapitalien  an  einen
solchen  Ort  kommen.  Offenbar  würden  sie  als  Ertrag  ihres  Kapitals
die  ganze  Summe  der  Güter,  die  es  hervorbrachte,  nur  so  lange  erhalten,
als  nichts  von  dessen  Produkten  für  Grundrente  gefordert  wird;  sobald
Rente  entsteht,  muß  sie  aus  dem  Ertrage  des  Kapitals  kommen,  und
je  nachdem  sie  steigt,  muß  der  Ertrag  des  Kapitalbesitzers  notwendig
sinken.  Stellen  wir  uns  vor,  der  Ort,  wo  das  Kapital  die  Fähigkeit
besitzt,  Güter  ohne  Mitwirkung  der  Arbeit  zu  erzeugen,  sei  von  geringer
Ausdehnung  —  sagen  wir  z.  B.  eine  Insel  —  so  werden  wir  sehen,
daß,  sobald  das  Kapital  sich  bis  zur  Grenze  der  Aufnahmefähigkeit
der  Insel  vermehrt  hat,  sein  Ertrag  auf  einen  Punkt  sinken  muß,  der  nur
ganz  wenig  über  dem  Minimum  des  bloßen  Ersatzes  liegt;  und  die
Grundbesitzer  würden  fast  das  ganze  Produkt  als  Rente  erhalten,  denn
den  Kapitalisten  bliebe  keine  andere  Wahl,  als  ihr  Kapital  ins  Meer
zu  werfen.  Oder  stellen  wir  uns  vor,  die  Insel  stehe  in  Verbindung  mit
der  übrigen  Welt,  so  würde  der  Ertrag  des  Kapitals  sich  auf  den  in
anderen  Orten  üblichen  Satz  stellen.  Der  Zinsfuß  würde  daselbst  weder
höher  noch  niedriger  sein  als  anderswo.  Die  Rente  würde  den  größeren
Nutzen  ganz  verschlingen,  und  der  Grund  und  Boden  der  Insel  würde
einen  großen  wert  haben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.