Aap. II.
Sklaverei das Resultat des Privatgrundbesitzes.
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verei zu mildern und den Herrn zu hindern, seine Macht über den
Sklaven in ihrer weitesten Ausdehnung auszuüben, zeigten sich auch
in den roheren Formen der Leibeigenschaft, welche die früheren Perioden
der europäischen Entwicklung kennzeichneten, und wurden, unter
stützt durch die Religion, vielleicht auch wie beim Sklavenbesitz durch
die aufgeklärteren, aber doch immer selbstsüchtigen Interessen des Grund-
herrn, zu festen Gebräuchen und steckten den Erpressungen, die der
Herr gegen die Bauern oder Leibeigenen übte, eine feste Grenze, so
daß die Konkurrenz von mittellosen Menschen um Zutritt zu den Unter
haltsmitteln nirgends ausarten und ihre volle Machst der Beraubung
und Entwürdigung ausüben durfte. Die Heloten Griechenlands, die
Halbpächter Italiens, die Leibeigenen Rußlands und Polens, die Bauern
des feudalen Europa lieferten ihren Grundherren einen festen Anteil
ihrer Produkte oder ihrer Arbeit und wurden im allgemeinen nicht
über jenen Punkt ausgequetscht. Aber die Einflüsse, die sich geltend
machten, um die Macht des Grundbesitzes zur Erpressung zu mildern,
und die man auf englischen Gütern noch immer beobachten kann, wo
der Gutsherr und seine Familie es für ihre Pflicht halten, den Kranken
und Altersschwachen Arzneien und stärkende Lebensmittel zu senden
und für das Wohlbefinden ihrer Gutsinsassen zu sorgen, gerade wie der
Pflanzer des Südens es gewohnt war, für seine Neger zu sorgen —
diese Einflüsse gehen verloren in der verfeinerten und weniger sichtbaren
Form, welche die Leibeigenschaft in den verwickelteren Prozessen der
urodernen Produktion annimmt, die denjenigen, dessen Arbeit an
geeignet wird, von dem, der sie aneignet, soweit und durch so viele,
kaum zu verfolgende Abstufungen trennt und die Beziehungen zwischen
den Angehörigen der beiden Klassen nicht direkt und persönlich, sondern
indirekt und allgemein gestaltet. In der modernen Gesellschaft hat die
Konkurrenz freies Spiel, um aus dem Arbeiter das Äußerste zu er
pressen, was er geben kann, und mit welcher fürcherlichen Gewalt sie
verfährt, kann man aus der Lage der niedrigsten Klasse in den Mittel
punkten des Reichtums und der Industrie ersehen. Daß die Lage dieser
niedrigsten Klasse nicht schon allgemeiner so ist, muß der großen Ausdeh
nung fruchtbaren Landes zugeschrieben werden, das bisher in Amerika
vffenstand und das nicht bloß ein Ventil für die zunehmende Bevölke
rung der älteren Teile der Union war, sondern auch den Druck in Europa
bedeutend erleichterte —in einem Lande, Irland, war die Auswanderung
so groß, um faktisch die volkszahl zu reduzieren. Dieser Ausweg kann
aber nicht ewig dauern. Derselbe schließt sich bereits ziemlich schnell,
und wenn er geschlossen ist, muß der Druck immer schärfer werden.
Nicht ohne Grund erklärt die weise Krähe der Ramayana, die
Krähe Bushanda, „die in jedem Teile des Weltalls gelebt hat und alle
Ereignisse seit Anfang der Zeiten kennt", daß die Verachtung weltlicher
Vorteile zwar zur höchsten Glückseligkeit notwendig ist die denkbar
schärfste Pein aber durch große Armut auferlegt wird. Die Armut,