Full text : Fortschritt und Armut

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Henry  Georges  Leben  und  Schriften.

Was  Georges  Bildungsgang  anbetrifft,  so  wissen  wir  bereits,
daß  er  die  gewöhnliche  Erziehung  des  Gelehrten  nicht  genossen  hat.
Gleichwohl  erfreut  er  sich  einer  großen  Belesenheit.  Mit  der  nationalökonornischen
  Literatur  der  Engländer  ist  er  genau  bekannt.  Auf  dieses
Studium  wurde  er  durch  seine  Humanitären  Sympathien  geleitet.
Die  liebste  Lektüre  jedoch  ist  ihm  die  Bibel,  und  diese  nebst  der  Lektüre
Shakespeares  und  in  seiner  Jugendzeit  des  Robinson  Krusoe,  sowie  der
feinen,  sinnigen  Poesie  amerikanischer  Freiheitsapostel  von  dem  Schlage
Whittiers  und  Russell  Lowells,  hat  das  meiste  beigetragen,  um  seinen
Stil  in  Rede  und  Schrift  zu  bilden  und  seine  Denkweise  zu  beeinflussen.
Man  kann  ihn  im  wahren  Sinne  des  Wortes  einen  Mann  von  eigener
Erziehung  nennen.  Was  er  ist,  verdankt  er  hauptsächlich  seiner  eigenen
Neigung,  in  der  großen  Schule  der  Welt  zu  lernen  —  einer  Schule,
in  welcher  er  die  ganze  Zeit  über,  die  er  als  Matrose  zur  See  zubrachte,
am  Satzkaften  stand,  in  der  Redaktion  Artikel  schrieb,  oder  als  Spezialkorrespondent ­
  reiste,  stets  ein  genauer  Beobachter  der  Menschen  und
Dinge  war.
Sein  Privatcharakter  ist  das  treue  Gegenbild  seines  öffentlichen
Lebens.  Das  tiefe  Gefühl,  die  Kraft,  der  Ernst  und  der  geistige  Glanz,
welche  seine  Schriften  und  öffentlichen  Reden  auszeichnen,  sind  auch
im  Umgänge  mit  ihm  bemerkbar.  Zn  der  Unterhaltung  ist  er  vortrefflich. ­
  Mit  raschem  Blicke  weiß  er  den  Standpunkt  eines  Gegners  zu
würdigen  und  durch  Frage  und  Antwort  genau  den  Weg  zü  wählen,
der  je  nach  der  beschränkteren  oder  weiteren  Auffassung  der  Person,
mit  der  er  streitet,  am  vorteilhaftesten  zum  Ziele  führt.
Nach  den  obigen  Andeutungen  über  die  sozialen  Ansichten  und  die
Lebensauffassung  unseres  Autors  wird  es  begreiflich  erscheinen,  daß
George  auf  die  Durchschnittspolitiker  mit  ebensowenig  vertrauen
blickt  als  auf  die  Durchschnittspriester.  Die  Politiker,  die  nur  zu  Nutz
und  Frommen  von  Parteien  und  Klassen  handeln,  sind  ihm  ebenso
widerwärtig  wie  eine  pharisäische  Priefterschaft.  Menschenfreundlicher
Geist  und  allgemeine  Sympathie  gilt  ihm  als  die  beste  Gewähr  für
den  Besitz  der  grundlegenden  Eigenschaften  eines  Staatsmannes.  Es
war  zumeist  der  Mangel  an  diesem  Geist  in  gewissen  irländischen  Parlamentariern, ­
  was  ihm  nur  geringes  vertrauen  in  ihre  Bestrebungen
zugunsten  Irlands  einflößte,  von  diesem  Tadel  nahm  er  Parnell  selbst
nicht  aus,  der  jedoch,  wie  er  zugestand,  durch  seine  überlegene  Scharfsichtigkeit ­
  und  Kühlheit  ein  wohltätig  mäßigender  und  regulierender
Faktor  in  der  maßlosen  irländischen  Bewegung  sei.  Unter  den  irländischen ­
  Politikern  hegte  er  für  Michael  Davitt  eine  aufrichtige  Achtung,
während  er  unter  den  englischen  Staatsmännern  Gladstone  besonders
hochschätzte.
Nicht  weniger  hoch  als  den  menschenfreundlichen  Geist  in  Staatsmännern ­
  und  Nationalökonomen  stellt  George  das,  was  man  die  Ehrlichkeit ­
  des  Verstandes  nennen  kann,  von  Zohn  Stuart  Mill  sagte  er
            
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