Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  IV

Einfluß  auf  die  soziale  «Organisation.

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Lebens  eingeschrieben  wird,  und  daß  ihm  das  weiße  Kleid  und  der
Palmzweig  des  Überwinders  der  Versuchung  winken;  aber  der  andere
hat  seinen  Lohn  in  der  Gegenwart.  Sein  Name  wird  in  die  Liste  „unserer
bedeutendsten  Bürger"  eingeschrieben;  die  Männer  machen  ihm  den  pof
und  die  Frauen  schmeicheln  ihm;  er  hat  den  besten  Stuhl  in  der  Kirche
und  die  persönliche  Beachtung  des  beredten  Geistlichen,  der  im  Namen
Christi  das  Evangelium  vom  armen  Manne  predigt  und  das  ernste
Gleichnis  vom  Kameel  und  Nadelöhr  zu  einer  nichtssagenden  Blume
orientalischer  Redeweise  abschwächt.  Er  kann  ein  Beschützer  der  Künste,
ein  Mäzen  der  Schriftsteller  werden,  kann  aus  der  Unterhaltung  der
Intelligenten  Nutzen  ziehen  und  durch  Reibung  mit  den  verfeinerten
poliert  werden.  Seine  Almosen  können  den  Armen  sättigen,  dem
Kämpfenden  helfen  und  Sonnenschein  in  öde  Plätze  bringen,  und  edle
öffentliche  Stiftungen  feiern,  nachdem  er  heimgegangen,  seinen  Namen
und  Ruf.  Der  Satan  versucht  die  Kinder  der  Menschen  nicht  in  Gestalt
eines  abschreckenden  Ungeheuers  mit  Pörnern  und  Schwanz,  sondern
als  ein  Engel  des  Lichts.  Seine  Versprechungen  sind  nicht  allein  die
Königreiche  der  Welt,  sondern  geistige  und  moralische  Fürstentümer
und  Eigenschaften.  Er  wendet  sich  nicht  bloß  an  das  tierische  verlangen,
sondern  auch  an  die  Begierden,  die  sich  im  Menschen  regen,  weil  er  mehr
wie  ein  Tier  ist.
Nehmen  wir  den  Fall  jener  elenden  „Männer  mit  Schmutzharken",
die  in  allen  Ländern  so  deutlich  zu  sehen  sind  wie  Bunyan  ihr  Bild
in  der  Vision  sah  —  die,  lange  nachdem  sie  Reichtum  genug  zusammengescharrt ­
  haben,  um  jeden  Wunsch  befriedigen  zu  können,  fortfahren
Zu  arbeiten,  zu  planen,  zu  streben,  um  Reichtümer  auf  Reichtümer  zu
häufen.  Ls  war  der  Wunsch,  „etwas  zu  sein",  ja,  in  vielen  Fällen  der
Wunsch,  edle  und  großmütige  Taten  zu  vollbringen,  der  sie  in  eine
Laufbahn  des  Geldgewinnens  führte.  Und  was  sie,  lange  nachdem  jedes
mögliche  Bedürfnis  befriedigt  ist,  ferner  dazu  zwingt,  was  sie  noch  immer
urit  unersättlicher  Habsucht  drängt,  ist  nicht  bloß  die  Macht  tyrannischer
Gewohnheit,  sondern  e's  sind  die  feineren  Genüsse,  welche  der  Besitz
von  Reichtümern  gibt,  das  Gefühl  von  Macht  und  Einfluß,  das  Gefühl,
angesehen  und  geebrt  zu  sein,  das  Bewußtsein,  daß  ihr  Reichtum  sie
sticht  bloß  über  den  Mangel  erhebt,  sondern  sie  zu  Leuten  von  Bedeutung
m  der  Gemeinde  macht,  in  der  sie  leben.  Das  ist's,  was  den  reichen
Klann  so  abgeneigt  macht,  sich  von  seinem  Gelde  zu  trennen,  so  begierig,
Mehr  zu  erlangen.
Gegen  Versuchungen,  die  sich  so  an  die  stärksten  Antriebe  unserer
^latur  wenden,  können  die  Billigungen  des  Gesetzes  und  die  Vorschriften
der  Religion  nur  wenig  ausrichten;  und  das  wunder  ist  nicht,  daß  die
Wenfchen  so  selbstsüchtig  sind,  sondern  daß  sie  es  nicht  noch  weit  mehr
flstd.  Daß  unter  den  jetzigen  Verhältnissen  die  Menschen  nicht  noch  habgieriger,
  treuloser  und  eigennütziger  sind,  als  sie  es  sind,  beweist  die  Güte
^ud  Fruchtbarkeit  der  menschlichen  Natur,  den  unaufhörlichen  Fluß
            
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