Full text : Fortschritt und Armut

Aap.  IV.

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Einfluß  auf  die  soziale  Organisation.

verbindet  und  überwältigt,  dem  nichts  unmöglich  scheint.  „Alles,  was
ein  Mensch  hat,  gibt  er  für  sein  Leben"—das  ist  Ligennutz.  Aber  höheren
Antrieben  gehorchend,  opfern  die  Menschen  selbst  das  Leben.
Nicht  die  Selbstsucht  ist  es,  die  die  Jahrbücher  jedes  Volkes  mit
Melden  und  Heiligen  bereichert.  Nicht  die  Selbstsucht  ist  es,  die  auf  jeder
Seite  der  Weltgeschichte  im  plötzlichen  Glanz  edler  Taten  hervorbricht
oder  den  sanften  Schimmer  eines  gütigen  Lharakters  verbreitet.  Nicht
Selbstsucht  war  es,  die  Gautama  seiner  königlichen  Heimat  den  Rücken
wenden  oder  der  Jungfrau  von  Orleans  das  Schwert  vom  Altar  nehmen
hieß,  die  die  Dreihundert  im  paß  von  Thermopylä  hielt  oder  in  Winkelrieds ­
  Brust  die  Speergarbe  eingrub,  die  vinzent  von  Paul  an  die
Galeerenbank  kettete  oder  während  der  indischen  Hungersnot  kleine
hungernde  Rinder  dazu  brachte,  mit  noch  schwächeren  verhungernden
in  ihren  Armen  zu  den  Hilfsstationen  zu  taumeln.
Nennt  es  Religion,  Vaterlandsliebe,  Mitgefühl,  Begeisterung
für  Menschlichkeit  oder  Liebe  zu  Gott  —  gebt  ihm  welchen  Namen
ihr  wollt;  aber  es  gibt  eine  Kraft,  die  die  Selbstsucht  bezwingt  und
vertreibt,  eine  Kraft,  welche  die  Elektrizität  des  moralischen  Weltalls
ist,  eine  Kraft,  neben  der  alle  anderen  schwach  sind,  überall,  wo  Menschen
lebten,  hat  sie  ihre  Macht  gezeigt,  und  heute  ist  die  Welt  so  voll  von  ihr
wie  je.  Bedauernswert  der  Mensch,  der  sie  nie  gesehen  und  gefühlt
hat.  Man  sehe  nur  um  sich!  Unter  gewöhnlichen  Männern  und  Frauen
inmitten  der  Sorge  und  des  Kampfes  um  das  tägliche  Leben,  im  Gewirr
der  lärmenden  Straßen  und  in  den  schmutzigen  Stätten  der  Armut  findet
man  hin  und  wieder  die  Dunkelheit  erhellt  durch  das  flackernde  Spiel
ihrer  leckenden  Flammen,  wer  dies  nicht  gesehen,  ist  mit  geschlossenen
Augen  umhergegangen,  wer  um  sich  schaut,  kann  sehen,  wie  plutarch
sagt,  daß  „die  Seele  ein  Prinzip  der  Güte  in  sich  hat  und  zur  Liebe  geboren ­
  ist  so  gut  wie  zum  Beobachten,  zum  Denken  und  zum  Erinnern".
Und  diese  Kraft  der  Kräfte,  die  jetzt  unbenutzt  verkommt  oder
verderbte  Formen  annimmt,  können  wir  zur  Stärkung,  zum  Aufbauen, ­
  zur  Veredelung  der  Gesellschaft  benutzen,  wenn  wir  nur  wollen
gerade  wie  wir  jetzt  Naturkräfte  benutzen,  die  vormals  nur  als  Mächte
der  Zerstörung  erschienen.  Alles,  was  wir  zu  tun  haben,  ist  nur,  Freiheit
und  Spielraum  zu  gewähren.  Das  Unrecht,  welches  die  Ungleichheit
erzeugt;  das  Unrecht,  welches  inmitten  des  Überflusses  die  Menschen
Mit  Armut  martert  oder  sie  mit  der  Furcht  vor  der  Armut  quält,
das  sie  körperlich  am  Wachstum  hindert,  geistig  herabwürdigt  und
Moralisch  verkrüppelt,  dies  Unrecht  allein  ist  es,  was  die  harmonische
soziale  Entwicklung  hindert.  Denn:  „Alles  was  von  den  Göttern
herrührt,  ist  voller  Vorsorge,  wir  sind  für  das  Zusammenwirken  geschaffen ­
  —  gleich  den  Füßen,  den  Händen,  den  Augenbrauen,  den  Reihen
der  oberen  und  unteren  Zähne."
Es  gibt  Leute,  in  deren  Kopf  es  nie  eingeht,  sich  einen  besseren
Eesellschaftszustand  vorzustellen  als  denjenigen,  der  jetzt  besteht  —
®cotge,  Fortschritt  und  Armut.  22
            
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